HNA-Interview

Landrat Neupärtl will keine Wiedereinführung von Alt-Kennzeichen

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Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten: Autofahrer aus dem Schwalm-Eder-Kreis wünschen sich die Kennzeichen der Kreisteile zurück, wie beispielsweise das FZ für Fritzlar-Homberg. Landrat Frank-Martin Neupärtl lehnt das jedoch ab.

Schwalm-Eder. Die Frage, ob es im Schwalm-Eder-Kreis auch wieder Alt-Kennzeichen geben sollte, erregt weiter die Gemüter. Landrat Frank-Martin Neupärtl hatte das kürzlich abgelehnt. Er müsste als Leiter der Verkehrsbehörde seine Genehmigung geben. Wir sprachen darüber mit ihm.

Haben Sie damit gerechnet, dass das Thema solche Wellen schlägt? 

Neupärtl: Die Frage nach Autokennzeichen hat immer auch mit Emotionen zu tun. Ich sehe keinen sachlichen Grund, wieder zu den alten Kennzeichen zurückzukehren.

Es scheint so, als würden Sie hier in uneingeschränkter Machtvollkommenheit entscheiden. Die Menschen fühlen sich bevormundet. Können Sie das nachvollziehen?Neupärtl: Das Wirtschafts- und Verkehrsministerium hat den Landräten diese Aufgabe übertragen.

Man könnte also durchaus auch anders entscheiden?Neupärtl: Ja, natürlich.

Wenn keine sachlichen Gründe vorliegen, ist das auch bei Ihnen eine emotionale Entscheidung? 

Neupärtl: Ich sehe das nicht emotional. 40 Jahre gibt es den Schwalm-Eder-Kreis, 40 haben wir das HR-Kennzeichen. Das hat auch etwas mit Identität zu tun. Ich kann nachvollziehen, dass man das anders sieht. Aber jemand muss die Entscheidung treffen. Und das Land Hessen hat diese Entscheidung nun einmal dem Landrat übertragen.

Sollte in dieser Frage nicht der Kreistag mitentscheiden?Neupärtl: Der Kreistag hat sich mit dem Thema im vergangenen Jahr ja schon einmal befasst.

Hat er eine Empfehlung gegeben?Neupärtl: Nachdem der Kreistagsvorsitzende die Rechtslage erläutert hatte, ist das Thema sachlich nicht weiter verfolgt worden. Es gab also keine Empfehlung.

Und Sie beharren auf Ihrer Zuständigkeit und wollen die Entscheidung auch nicht an den Kreistag delegieren?Neupärtl: Nein! Ich könnte die Entscheidung auch nicht abgeben. Ich höre mir alle Argumente an, habe mich aber anders entschieden. Es bleibt bei HR!

Was spricht denn dagegen?
Neupärtl: Wir wären der einzige Landkreis, in dem es dann insgesamt vier Kennzeichen geben würde.

Aber hier geht es ja nicht um staatstragende Dinge. Es sind doch eher Kleinigkeiten, mit denen man den Menschen entgegenkommen könnte, oder?

Neupärtl: Ich bin von vielen Menschen, gerade auch nach der Berichterstattung in der HNA, angesprochen worden. Und ich bin immer ermutigt worden, es bei HR zu belassen. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen weiter das HR-Kennzeichen wünschen.

Wie kommt es, dass die Nachbarkreise das so entspannt sehen?  Neupärtl: Sie sehen es anders. Ich sehe es entspannt für HR! Eigentlich gab es dazu auch einmal eine einheitliche Position des Hessischen Landkreistages. Die ist aber anscheinend gebröckelt.

Haben Sie wirklich Angst, dass der Landkreis auseinander bricht, wenn einige Menschen mit einem lokalen Autokennzeichen unterwegs sind?

Neupärt: Nein, aber ich finde, dass das HR-Kennzeichen ein Stück Identität schafft.

Offenbar fühlen sich aber nicht alle Menschen in diesem Gebilde heimisch. Teilen Sie diese Auffassung?

Neupärtl: Das scheint so. Hier gilt aber: Man kann es nicht allen recht machen.

Wie groß ist denn die Nachfrage nach Alt-Kennzeichen?Neupärtl: Schriftlich bei der Zulassungsbehörde gab es im vergangenen Jahr acht bis zehn Anfragen.

Und mündliche Anfragen?
Neupärtl: Die sind nicht dokumentiert worden.

Welche Rolle spielen die Kosten für individuelle Kennzeichen?

Neupärtl: Das Argument der Kosten kann man bei dieser Diskussion vernachlässigen.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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