Landrat: Sporthallen für Flüchtlingsunterbringung ist absolute Notlösung

Möglicher Standort für Flüchtlingsunterkunft: die Kreissporthalle Guxhagen (links). Rechts ist die Gesamtschule zu sehen. Foto: vre

Spangenberg/Felsberg/Guxhagen. 1000 Flüchtlinge muss der Landkreis in den kommenden Tagen oder Wochen in Erstaufnahmeeinrichtungen unterbringen.

„Wir suchen natürlich weiterhin kreisweit nach geeigneten Gebäuden oder Flächen“, sagte gestern Landrat Winfried Becker. Keinesfalls sei es sicher, dass die Sporthallen in Guxhagen, Felsberg und Gudensberg genutzt würden. „Das ist auch in unseren Überlegungen der absolute Notfallplan“, stellte Becker nochmals klar.

Es mussten allerdings auch Vorbereitungen getroffen werden, um kurzfristig handlungsfähig zu sein. Daher habe man die Turnhallen in die Planungen miteinbezogen.

Wohnungen gesucht

Er hoffe, dass jetzt mehr Bewegung in die Suche nach geeigneten Gebäuden in Bundeshand komme, sagt der Landrat.

Zusätzlich zu den etwa 1000 Flüchtlingen, die in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden müssen, werden wöchentlich 100 Menschen erwartet, für die es geeigneten Wohnraum geben muss. In Frage kommen weitere Gemeinschaftsunterkünfte. Zum Beispiel zeichne sich eine Lösung für die Jugendherberge in Melsungen ab. Auch in die Spangenberger Kulturhalle ziehen in Kürze mehr als 100 Flüchtlinge ein.

„Wir benötigen aber dringend weiteren Wohnraum“, sagt Becker. Daher sei es wichtig, leerstehende Wohnungen gemeldet zu bekommen. Die Kommunen hätten Prokura, im Auftrag des Kreises Mietverträge abzuschließen.

FELSBERG

In Felsberg ist nach wie vor unklar, welche Gebäude gegebenenfalls für die Flüchtlingsunterbringung in Anspruch genommen werden sollen. Bürgermeister Volker Steinmetz sagte gestern gegenüber der HNA, man wolle versuchen, die neue Stadtsporthalle frei zu halten. Man habe dem Landrat Alternativen zur Prüfung vorgelegt. „Unser Wunsch wäre, zunächst gewerbliche Gebäude zu nutzen“, sagt Steinmetz. Infrage kämen aus Sicht der Stadt der ehemalige Kik-Markt oder der ehemalige Spar-Markt in Felsberg - beide Gebäude stehen leer, in den Kik-Markt müssten allerdings noch Fenster eingebaut werden.

Wenn das nicht ausreiche, müsste man auf die alte Stadtsporthalle zurückgreifen - gegebenenfalls in Kombination mit weiteren kleineren Hallen wie der kleinen Sporthalle in Gensungen oder der Halle in Neuenbrunslar. Parallel dazu müsse man die Dorfgemeinschaftshäuser in Altenburg, Beuern und Melgershausen für die Unterbringung von Flüchtlingen in Betracht ziehen. Das Alte Hospital in Felsberg, das zwischenzeitlich ebenfalls als Flüchtlingsunterkunft im Gespräch war, kommt laut Bürgermeister Steinmetz definitiv nicht infrage. Zum einen ist das seit langem leerstehende Gebäude in sehr schlechtem Zustand. Zum anderen steht der Stiftungszweck dem entgegen: Wohnraum für alte und bedürftige Felsberger zu bieten. Dieser Stiftungszweck sei unabänderlich und erlaube es nicht, das Gebäude zur Flüchtlingsunterkunft umzufunktionieren.

SPANGENBERG

In Spangenberg werden 100 bis 150 Flüchtlinge erwartet; sie kommen vermutlich am Dienstag, 20. Oktober. Sie werden in den Salzmannhallen untergebracht, zunächst in der großen, beheizbaren Kulturhalle, heißt es aus dem Rathaus. Wieviele Menschen dort Platz haben, steht nicht fest, weil unklar ist, ob und wo ein Küchenbereich für das Catering aufgebaut werden soll, heißt es aus dem Rathaus. Es gebe in der Kulturhalle ausreichend Toiletten, für zusätzliche Duschen wurde eine Lösung gefunden: Vier Fertigduschen wurden bestellt, die in Containern installiert sind und nur noch angeschlossen werden müssen, teilt Büroleiter Jörg Schanze mit. Des weiteren gibt es im Anbau, dem früheren Frühstücksraum des Bauhofs, der zuletzt als Kraftraum der Leichtathleten genutzt wurde, drei Herrenduschen und eine für Damen. Die Leichtathleten mussten in die alte Sportgaststätte umziehen, die eigentlich abgerissen werden sollte, nun aber erstmal erhalten bleibt. Probleme gab es in der Vergangenheit mit dem undichten Dach der Kulturhalle. Weil es sich um eine fächerartige Dachkonstruktion handelt, kam immer wieder Wasser durch die Decke. Auf dem Dach sammelten sich Wasser und Dreck, was zum Überlaufen führte. Nach Mitteilung des Bauamtes ist das Dach mittlerweile abgedichtet. Die Stadt stellt lediglich den Raum für die Flüchtlinge zur Verfügung. Für die Bereitstellung eines Sicherheitsdienstes und des Caterings und der Betten ist der Landkreis zuständig.

GUXHAGEN

Ein Krisenstab des Landkreises hat inzwischen die Guxhagener Kreissporthalle an der Schönen Aussicht begutachtet, berichtete am Mittwoch Bürgermeister Edgar Slawik. Sollten dort Asylsuchende einziehen, sei im Detail noch einiges zu regeln. So gebe es beispielsweise zu wenig Toiletten, so dass Sanitärcontainer nötig wären. Parallel dazu erarbeite die Gemeinde eine Alternativlösung. Er selbst sei dabei im Gespräch mit dem Pächter sowie dem Eigentümer eines Grundstücks, auf dem eine gedämmte Halle in Leichtbauweise errichtet werden könne, erklärte Slawik. Das Bauwerk könne ab dem Tag der Baugenehmigung innerhalb von drei Wochen errichtet werden. Über die Option habe er den Landkreis informiert, so Slawik.

Öffentliche Informationsveranstaltungen zur Unterbringung von Flüchtlingen sind an folgenden Terminen geplant:

• Spangenberg:

am Freitag, 16. Oktober, um 19 Uhr im großen Saal der Gastwirtschaft Mediterraneo (ehemals Goldener Löwe)

• Felsberg:

am Freitag, 16. Oktober, um 19.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses

• Guxhagen:

am Montag, 19. Oktober, um 19 Uhr im Bürgersaal.

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Quelle: HNA

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