Theater 3 hasen oben ist nominiert und plant künstlerisches Zentrum

Hessischer Demografie-Preis: Mit Landvisionären im Gespräch

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Hier gab es den Studentenausweis: Der Staatsminister mit Klaus Wilmanns und Silvia Pahl (von links) vom Theater 3 hasen oben.

Immichenhain. Plötzlich war der Politiker Axel Wintermeyer wieder Student: Die Überraschung darüber war dem Chef der Hessischen Staatskanzlei in Immichenhain deutlich anzusehen.

Kein Wunder, wurde der Demografie-Beauftragten der Landesregierung auf dem Hof von Silvia Pahl und Klaus Wilmanns – bekannt als das Theater 3 hasen oben – doch in der inszenierten Akademie für kulturelle Landentwicklung empfingen. Da traf es sich, dass der Empfang ganz unprätentiös in der Scheune der Schauspieler statt fand.

Auf Sommerreise: Staatsminister Axel Wintermeyer (rechts) besuchte am Mittwoch Immichenhain. Er ließ sich von links von Theresa Kurz, Rhoda Kalms und Konrad Glänzer informieren.

Wintermeyer schaut sich aktuell auf seiner Sommerreise die sechs besten Projekte, die es in die Endausscheidung zum Hessischen Demografie-Preis geschafft haben an. Die Theatermacher im Ottrauer Ortsteil haben sich gegen insgesamt 91 eingereichte Bewerbungen behaupten können. Ihre Initiative heißt „Expedition vor der Haustür, Teil 1, with my eyes“. Übersetzt bedeutet das so viel wie „etwas mit meinen Augen sehen“.

An dem Projekt, einer Theaterwerkstatt im vergangenen Jahr in Loshausen, waren jede Menge Augen beteiligt: Die junger Leute aus der Schwalm. Wie sie ihre Heimat sehen, ihre Gedanken zum Landleben und nicht zuletzt den kritischen Umgang damit haben Pahl und Wilmanns in einem Film festgehalten.

Inszenierter Rahmen 

Und ähnlich wie das Spiel, mit dem die Schauspieler den Staatsminister und ihre Gäste empfingen, waren auch die Jugendlichen beim Workshop empfangen worden: „So, wie wir Sie gerade gerade zum Landvisionär erklärt haben, haben wir auch den Jugendlichen einen inszenierten Rahmen vorgegeben“, erklärte Pahl dem Politiker.

Indem man Rollen vorgebe, komme ein Spiel „ins Laufen“. Dabei erführe man viel über sich selbst, über Ängste und die eigenen Grenzen – „und damit eine Auseinandersetzung mit dem Lebensumfeld.“ Perspektivisch sei angedacht, in Schwalmstadt ein Zentrum für Theater und Forschung einzurichten.

„Im Zuge der Demografie muss man die Kleinstädte in der Region als Ankerplätze unterstützen“, sagte Pahl. Entstehen soll dort Kunst mit ländlich-regionalem Bezug: „Die Ahle Wurscht ist lecker, aber nicht das einzige Exportgut. Auch die Kunst hat Strahlkraft.“

Künstler ernst nehmen 

Sie empfahl, Theater vom Land ebenso ernst zu nehmnen: „Es war kurios, mit dem Wohnort Immichenhain hat Klaus als Künstler an Qualität eingebüßt.“ Die Politik sei gefragt, die Teilhabe sicherzustellen und vergleichbare Standards zu schaffen.

Axel Wintermeyer ließ sich in Immichenhain locker auf das Spiel ein: Er kam mit den Jugendlichen Konrad Glänzer, Theresa Kurz und Rhoda Kalms ins Gespräch, ließ sich einen Studentenausweis ausstellen und trank mit Künstlern und Gästen einen Drink in der Bar - dem umfunktionierten Kuhstall.

Quelle: HNA

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