Landwirt Joachim Löber ist gegen das Freihandelsabkommen

Gegner des Freihandelsabkommens: Bio-Bauer Joachim Löber aus Altenstädt fürchtet, dass auf seinen Feldern künftig gentechnisch veränderte Früchte stehen – obwohl er das nicht will. Foto:  Renner

Altenstädt. Die Chancen, etwas gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP auszurichten, „sind verschwindend gering“, sagt Joachim Löber.

Trotzdem will der Bio-Landwirt weiter mobil machen gegen das Abkommen. Für ihn sind mit der Vereinbarung zwischen EU und USA ausschließlich Nachteile verbunden.

Der Handel soll durch das Abkommen erleichtert werden, das Wirtschaftswachstum auf beiden Seite des Atlantik soll so steigen, Kosten für Unternehmen dagegen sinken. Doch die Kritik am TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) in der Bevölkerung ist schon jetzt groß, abgeschlossen sind die Verhandlungen noch nicht.

Dem Wachstumsglauben und dem Freihandel werde alles „geopfert“, kritisiert Joachim Löber. Probleme würden auf Kosten der künftigen Generationen gelöst. Fracking, die umstrittene Bohrung im Erdreich auf der Suche nach Erdgas, ist für Löber ein solches Beispiel. „Hier in Deutschland lehnen das alle ab, durch TTIP könnte eine US-Firma aber hier fracken wollen. Wenn sie das aber nicht darf, zieht sie vors Schiedsgericht.“

Durch diese Gerichte, so fürchtet Löber, komme es zu einer „Demontage der demokratischen Strukturen“. Man habe in Deutschland eine Gewaltenteilung, durch die Schiedsgerichte würde dem Staat die Entscheidungsbefugnis dann aber genommen, sagt Löber.

Auch um die hohen deutschen Qualitäts- und Sicherheitsstandards sorgt sich der Bio-Ackerbauer. Die würden durch das Abkommen unterlaufen. Wenn es um eine Vereinheitlichung von Schraubengrößen ginge, so Löber, wäre das Abkommen sinnvoll. „Aber es geht um unsere Gesundheit, wir müssen langfristiger und nachhaltiger denken“, appelliert Löber.

Er ist sich sicher: Ihn, den Bio-Bauern, würde es auch ganz direkt treffen. „Ich könnte mich nicht mehr wehren gegen gentechnisch veränderte Pflanzen.“ Seine Felder seien dann „zwangsläufig kontaminiert“. Damit fehle künftig allen Bio-Landwirten ein Verkaufsargument. Auch Imker seien davon betroffen.

Dass der Kampf der Gegner des Abkommens nahezu aussichtslos ist, weiß Löber. „Wir wollen aber kämpfen. Es darf keine Politik geben, die gegen die Überzeugung der Menschen handelt“, betont er. Löber ist überzeugt: „Der Widerstand wird immer größer.“ Erst am vergangenen Samstag nahm er an einer Demonstration gegen das Freihandelsabkommen in Kassel teil, um seinen Unmut deutlich zu machen.

Dass die Wirtschaft die wichtigste Postion einnimmt, davon ist der Landwirt überzeugt. „Aber es kann nicht sein, dass die Wirtschaft die Politik vor sich her treibt.“ Das Abkommen mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum zu begründen, das sich bei 0,05 Prozent bewegt, ist für Joachim Löber unverständlich.

Quelle: HNA

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