Lange Haft für Vergewaltiger - Naumburger verging sich an Ex-Freundin

Kassel/Naumburg. Der Angeklagte ahnte wohl schon, was kommen würde. „Ich hab nichts mehr zu sagen“, stieß der 35-Jährige als Schlusswort zwischen den Zähnen hervor, ehe sich das Gericht zur Beratung zurückzog.

Und so wie er da zusammengesunken auf der Anklagebank hockte, dem Publikum den Rücken zugewandt, war unübersehbar, was er erwartete: nichts Gutes. Und dass er an den Freispruch, den sein Verteidiger soeben gefordert hatte, nicht glauben mochte.

Er sollte Recht behalten: Zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilte ihn das Kasseler Landgericht am Freitag schließlich – wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Körperverletzung. „Keinerlei Zweifel“, sagte Strafkammervorsitzender Jürgen Stanoschek, habe das Gericht, dass der Mann im November 2011 seine Ex-Freundin in seiner Naumburger Wohnung geschlagen und mit einem Messer zu sexuellen Handlungen genötigt habe.

Eigentlich, befand Stanoschek, habe der Mann nur den Namen des neuen Liebhabers seiner Verflossenen erfahren wollen. Mit allen Mitteln. „Das war das Motiv für die Tat.“ Deshalb habe der arbeitslose Schreiner der 31-Jährigen gedroht, sie „aufzuschlitzen“, und habe sie mit Lautsprecherkabeln an ein Sofa gefesselt. Er wollte das Passwort für ihr Handy wissen. Und als sie es ihm aus Angst verraten hatte, stieß er darin auf den Namen seines besten Kumpels.

Erst in diesem Moment, meinte das Gericht, habe der Angeklagte beschlossen, sich an seiner Ex zu vergehen. Aus Rache und Eifersucht. Und danach verlangte er noch, dass die Frau eine SMS-Nachricht an ihren neuen Freund schicken und mit ihm Schluss machen sollte – weil sie, so der angeordnete Wortlaut, an ihrem ehemaligen Lebensgefährten noch so hänge.

Angesichts des Küchenmessers, das ihr Peiniger in der Hand hielt, erfüllte die 31-Jährige auch diese Forderung. Von einer „massiven Todesdrohung“ sprach Stanoschek.

Die Darstellung des Angeklagten, der von einvernehmlichem Sex und „Fesselspielchen“ erzählt hatte, wertete das Gericht als bloße Schutzbehauptung. Noch deutlicher war Staatsanwalt Jan Uekermann in seinem Plädoyer geworden: „Das ist von vorne bis hinten blanker Unsinn“, hatte der Anklagevertreter geschimpft. Natürlich dürfe jeder Angeklagte vor Gericht lügen, wie er wolle. Aber: Das Opfer durch die Unterstellung irgendwelcher Verleumdungs- und Rachegelüste auch noch in Misskredit zu bringen, sei eine „Frechheit“.

Seine Forderung nach achteinhalb Jahren Gefängnis erschien der Strafkammer gleichwohl etwas zu hoch gegriffen. Für den Gedanken an eine Pattsituation, weil Aussage gegen Aussage stehe und deshalb im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden sei, wie Verteidiger Helfried Molthäufl argumentiert hatte, vermochte sich das Gericht dagegen gar nicht zu erwärmen.

Quelle: HNA

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