Ehepaar Scarzynski nahm am Dodendocht-Lauf mit 23 Stunden teil

Der Lauf ihres Lebens: Paar aus Wabern startete bei 100-Kilometer-Marsch

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Sie hängen ihre Laufschuhe noch lange nicht an den Nagel: Miroslaw und Teresa Sarzynski aus Wabern wollen auch beim nächsten Dodentocht-Marsch dabei sein; rechts im Bild die beiden erschöpft, aber glücklich im Ziel. 

Wabern.In einem Jahr von Null auf Hundert: Das Ehepaar Miroslaw und Teresa Sarzynski aus Wabern hat sich in zwölf Monaten fit gemacht und den "Totenkopfmarsch" in Belgien absolviert.

Auf den letzten Kilometern haben sie sich geschworen: „Wir machen das nie wieder.“ Nie wieder 24 Stunden am Stück laufen. Nie wieder diese Schmerzen durchmachen und mit letzter Kraft ins Ziel schleppen. Der Dodentocht-Lauf im August dieses Jahres sollte ihr erster und letzter sein.

Doch dieser Schwur hielt keine Woche. „Irgendwie haben wir uns verplappert“, sagt Miroslaw Sarzynski. Und so wollen er und seine Frau Teresa nächstes Jahr wieder starten und den 100-Kilometer-Marsch durch das belgische Flandern auf sich nehmen. Denn: „Dieser Lauf macht süchtig“.

Das Ziel fehlte

In einem Jahr von Null auf Hundert. So beschreibt das Paar aus Wabern die vergangenen zwölf Monate. Nach Schicksalsschlägen wollten beide ihr Leben umkrempeln. Sie suchten einen Ausgleich und entdeckten das Wandern für sich. „Doch es fehlte ein Ziel“, sagt Miroslaw Sarzynski. Das war schnell gefunden. Sohn Patrick war schon einmal beim Dodentocht gestartet. Jetzt wollten es ihm seine Eltern gleichtun.

Das Paar begann behutsam, steigerte sich langsam: fünf, sieben, zehn, 20 Kilometer standen auf dem Trainingsplan. Jedes Wochenende ging es raus. Die meisten Meter haben die Sarzynskis rund um Wabern gemacht.

Die beiden schlagen sich zu zweit durch. „Wir haben selbst die Schuhe gekauft, sind selbst auf die Nase gefallen und selbst wieder aufgestanden“, sagt der 56-jährige Sarzynski, der nach einem Jahr Vorbereitung um viele Erfahrungen reicher und 20 Kilo leichter ist. Am 12. August war es so weit: Um 21 Uhr fiel der Startschuss zum Dodentocht.

Die Erinnerungen an den Lauf können Miroslaw und Tersa Sarzynski kaum in Worte fassen. „Die Stadt Bornem war im Ausnahmezustand. Überall wurdegefeiert, die Menschen jubelten uns zu, als wären wir bei den Olympischen Spielen“, erklärt Miroslaw Sarzynski. Auf den ersten 30 Kilometern wurden die Waberner von der Masse mitgetragen. Es ging der Dunkelheit entgegen, das Feld lichtete sich. Am nächsten Morgen sahen sie das Schild: 75 Kilometer waren geschafft. „Wahnsinn, so viel bin ich noch nie in meinem Leben gelaufen“, dachte sich Miroslaw Sarzynski. Und er zweifelte: „Warum mache ich das nur?“ Es ging weiter. Schritt für Schritt. Die Füße schmerzen. Freunde und Nachbarn verfolgten den Lauf über das Internet. Sie wussten immer, wo Sarzynski steckten und feuerten an.

„Die vielen SMS taten gut und gaben Kraft“, betont die 54-jährige Teresa Sarzynski Die letzten fünf Kilometer waren die härtesten. Die Devise des Paares: Jetzt nichts falsch machen, keine Krämpfe riskieren.

Kurz vor dem Ziel zwei bekannte Gesichter: Sohn Patrick und seine Freundin Claudia waren nach Belgien gekommen, um das Paar zu unterstützen. „Wir waren im Schwebemodus“, sagt Miroslaw Sarzynski Nach 23 Stunden und 30 Minuten erreichten sie das Ziel.

Das ist der Dotentocht:

Der Dodentocht, auch Totenkopfmarsch genannt, ist eine 100-Kilometer-Wanderung. Sie führt rund um die belgische Gemeinde Bornem. Der Marsch findet jedes Jahr im August statt. Ziel ist es, 100 Kilometer innerhalb von 24 Stunden durchzuwandern. Es geht jedoch nicht darum, möglichst schnell ins Ziel zu kommen.

Der Marsch fand im Jahr 1970 zum ersten Mal statt. Damals hatten sich 65 Menschen auf dem Weg gemacht. Im vergangenen Jahr waren 12.014 Starter dabei.

Quelle: HNA

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