Pioniergeist auf dem Dörnberg: Gleitflug mit dem historischen Schulgleiter SG38

Lautlos Richtung Himmel

Wolfgang Schwarz, Vorstandsratmitglied der Flugsportvereinigung Kassel-Zierenberg, wagt den Flug auf dem Oldtimer. Foto: mt

Zierenberg. Nachdem mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst sämtliche Flugaktivitäten in Deutschland verboten waren, wurde jetzt der 60. Jahrestag des Wiederstartes eines Segelflugzeuges auf dem Dörnberg gefeiert. Der erste Start am 6. April 1952 fand viel Beachtung in der Öffentlichkeit und wurde damals durch Otto Ganz auf einem Schulgleiter vom Typ SG38 durchgeführt.

Anlässlich dieses Jubiläums hat die Flugsportvereinigung Kassel-Zierenberg durch den Oldtimerclub Wasserkuppe ein baugleiches Flugzeug zur Verfügung gestellt bekommen. So wurden am Karfreitag in alter Manier historische und selten zu sehende Gummiseilstarts vorgeführt.

Unter den Augen zahlreicher Zuschauer wagten rund 15 bis 20 Teilnehmer den etwa 30 Sekunden andauernden und frei sitzenden „Ritt“ in den Dörnberger Himmel.

Was für Außenstehende abenteuerlustig anmutet, sei in Wirklichkeit ungefährlich, versichert Fluglehrer Arnold Klapp. Der freie Sitz biete ein unbeschreibliches Fluggefühl. „Herunterfallen kann man nicht, da man mit sicheren Vier-Punkt-Gurten fest am Schulgleiter angeschnallt ist“, erklärt der Profi. Arnold Klapp weiß wovon er spricht - beim Erstflug 1952 selbst dabei gewesen, organisiert er inzwischen seit über 50 Jahren Flugausbildungen auf dem Dörnberg. „Es ist ein wunderbares Erlebnis, ein Segelflugzeug zu fliegen und das Gefühl des lautlosen Gleitens zu erleben“, berichtet Klapp und lässt es sich nicht nehmen, als erster Teilnehmer auf dem SG38 in die Luft katapultiert zu werden.

Traditioneller Start

Der Gummiseilstart war in den Anfängen des Segelflugs die übliche Startmethode. „Im Prinzip ähnelt das Vorgehen einer großen Zwille“, erklärt Stephan Johannes, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Flugsportvereinigung Kassel-Zierenberg. Beim Gummiseilstart wird hangabwärts gegen den Wind gestartet. Die circa 25 Meter langen Gummiseile werden von der zwölf- bis vierzehnköpfigen Zugmannschaft zunächst im Schritttempo, dann mit Schwung im Laufschritt gestrafft, während die sechsköpfige Haltemannschaft den Flieger am Heck sichert. Haben die Gummiseile die notwendige Spannung erreicht, wird der Gleiter auf Kommando und mit einem kräftigen Ruck in die Luft geschleudert. „Da mit dieser Startart aber nur wenige Meter Höhe erreicht werden, ist sie nur dort sinnvoll anwendbar, wo diese geringe Höhe ausreicht, um in den Hangwind zu gleiten“, fügt Johannes hinzu. „Der Dörnberg bietet sich für solche Flüge geradezu an.“

Von Melanie Triesch

Quelle: HNA

Kommentare