250 Menschen mit Behinderungen und Hephata-Mitarbeiter protestierten

Abschluss: Auf dem Marktplatz endete der Aktionstag mit einer Podiumsdiskussion.

Treysa. Unterwegs für die Gleichstellung behinderter Menschen und den Abbau von Barrieren: Über 250 Menschen machten am Donnerstagabend mit bei einem Aktionsmarsch in der Treysaer Innenstadt.

Bewohner und Beschäftigte des Diakoniezentrums Hephata liefen von der Hephata-Kirche zum Treysaer Marktplatz, um Flagge zu zeigen. Anlass war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Die Veranstaltung in Treysa war eine von mehr als 450 Veranstaltungen an diesem Tag in ganz Deutschland.

Organisiert hatten den Aktionsmarsch gemeinsam der Heim- und der Werkstattbeirat Hephatas. Mit dem Transparent „Vielfalt statt Einfalt“ führten Sabine Schäfer und Daniela Schwalm vom Werkstattrat den Zug an.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion auf dem Marktplatz wurde deutlich, dass es noch ein langer Weg ist zur Gleichstellung behinderter Menschen. „Es passiert, dass Leute zwei Stunden auf einen barrierefreien Zug warten müssen. Dass man in einem Geschäft gefragt wird, ob man auch genug Geld dabei hat. Und dass im Restaurant die Tischdecke weggezogen wird, wenn man sich gesetzt hat“: Von solchen Erfahrungen berichtete Daniela Schwalm. Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Die Linke), die mit Vertretern anderer Parteien und Hephata-Mitarbeitern auf dem Podium saß, hatte Ähnliches erlebt.

„Im Geschäft wird über den Kopf des Betroffenen hinweg, der etwas kaufen will, ausschließlich mit der Begleitperson gesprochen. Das ist absurd.“ Anke Dorothee Wippermann, Geschäftbereichsleiterin der Behindertenhilfe Hephata, erinnerte daran, dass man nicht behindert sei, sondern behindert werde.

Aktionstag in Treysa für die Gleichstellung von Behinderten

Vom Satz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ im Grundgesetz über das Antidiskriminierungsgesetz bis hin zur UN-Menschenrechtskonvention - für die Rechte Behinderter sei theoretisch viel auf den Weg gebracht worden, sagte Wippermann. Aber vieles sei praktisch schwer umzusetzen: „Komplizierte Gesetze stellen auch Behinderungen dar.“ Dagegen könne auch eine einfache Sprache helfen und überhaupt das intensive Gespräch miteinander.

Helmut Daub, der Behindertenbeauftragte des Schwalm-Eder-Kreises im Altkreis Ziegenhain, erinnerte daran, dass das Thema Barrieren und Behinderung jeden angehe: Denn: „Schon morgen können wir alle selbst zu Betroffenen werden.“

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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