HNA-Telefonaktion: Fachleute beantworten Fragen zum Thema

Demenz - Leben mit einem Fremden

Schwalm-Eder. Schon vor zehn Jahren hätte sie merken können, dass ihr Mann Werner an Demenz erkrankt ist, sagt Katharina Schmidt (alle Namen geändert). „Er hat damals schon vieles vergessen - aber da habe ich mir noch nichts bei gedacht“.

Das sagt die 69-Jährige, die im Schwalm-Eder-Kreis lebt und ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Vergesslich bin ich ja auch manchmal“, sagt sie. Das war für sie noch kein Alarmsignal.

Doch dann begann Werner, beim Autofahren „Unfug zu machen“, wie Katharina Schmidt sagt: „Er hatte die Angewohnheit, immer links zu fahren. Das ging so weit, dass ich irgendwann nicht mehr zu ihm ins Auto steigen wollte. Zum Glück ist nie was passiert.“ Schließlich beschloss Werner Schmidt, nicht mehr Auto zu fahren. „Er hat mir dann vorgeworfen, ich sei schuld daran, dass er nicht mehr fahren könne.“

Ihr Mann verhält sich jetzt häufig aggressiv ihr gegenüber. „Das ist nicht mehr der Mensch, den ich mal geheiratet habe - er war früher so liebenswert, freundlich und nett.“ Weil ihr Mann sich immer mehr veränderte, ging sie schließlich mit ihm zum Arzt. „Der hat behauptet, das sei ein reines Partnerschaftsproblem bei uns.“ Fremden gegenüber sei ihr Mann stets höflich und freundlich, sagt Katharina Meier: „Die merken oft gar nicht, was mit ihm los ist.“ Erst vor fünf Jahren stellte ein anderer Mediziner die Diagnose: Demenz.

Ihr Mann wolle seine Krankheit selbst nicht wahr haben, sagt Katharina Schmidt. Als der Amtsarzt ihn vorzeitig in den Ruhestand schickte, weil er arbeitsunfähig war, erzählte Werner Schmidt seiner Frau, er selbst habe entschieden, in Rente zu gehen. Erst Jahre später fand sie den Befund des Amtsarztes - zusammengefaltet in einem Kochbuch.

Für Katharina Schmidt ist es eine Erleichterung, dass die Krankheit ihres Mannes anerkannt ist und sie Unterstützung bekommt. Zweimal pro Woche bringt sie den 73-Jährigen zur Tagesbetreuung. „Dann kann ich einen längeren Spaziergang machen, meine Gedanken fließen lassen, einfach mal durchatmen.“

Wichtig für sie ist auch der Austausch mit anderen Betroffenen und Experten in einer Demenzgruppe. „Das hat mir sehr viel gebracht. Ich erfahre immer etwas Neues, und wir haben Spaß dort“, sagt sie. Schöne Momente erlebt die 69-Jährige auch mit ihrem Mann - etwa, wenn die beiden gemeinsam in Urlaub fahren. „Wenn er nicht zuhause ist, ist er viel friedlicher“, sagt sie. Vielleicht liegt das auch daran, dass Werner mit dem Wort „Zuhause“ nicht mehr viel anfangen kann. Manchmal, sagt seine Frau, wisse er nicht mal mehr, wo er wohnt.

Zum Thema Demenz und Alzheimer bietet die HNA für Freitag, 4. Oktober, eine Telefonaktion an. Dr. Achim Bäcker (Hephata-Klinik), Dr. Jens Zemke (Asklepios-Kliniken) und Beate Hasenpflug (Ambulanter Pflegedienst Hephata) beantworten Ihre Fragen: Von „Habe ich Demenz, oder bin ich einfach nur vergesslich?“ bis „Was hilft gegen Demenz?“ Zu erreichen sind die Experten von 17 bis 19 Uhr unter der Nummer 06691/184311. (jul)

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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