Silvia Winning feiert den Tag ihrer Transplantation wie einen zweiten Geburtstag

Leben mit fremder Niere

Für sie begann nach der Transplantation ein neues Leben: Silvia Winning lebt mit einer Spender-Niere, und kann sich wieder um die Hündin Nora und um ihre Orchideen kümmern. Foto: Dietzel

Niederelsungen. Für Silvia Winning ist jeder Tag ein Geschenk. Wenn sie morgens ihre Runde mit Hündin Nora dreht, denkt die Niederelsungerin an den Tag vor neun Jahren, an dem sie eine neue Niere bekommen hat. Dann dankt sie in Gedanken dem unbekannten Spender, durch dessen Organspende ihr Leben wieder lebenswert ist.

Anfang der 90er-Jahre wurde bei Silvia Winning eine schlechte Filterfunktion der Nieren festgestellt. Sie hat Schrumpfnieren, diese sind fünf Zentimeter groß – gesunde Nieren sind etwa 12 cm groß. Der Funktionsverlust der Nieren führte dazu, dass sich harnpflichtige Substanzen im Blut anreicherten. Dadurch wurde die Hämodialyse oder eine Nierentransplantation notwendig. Fast acht Jahre lang ging Silvia Winning drei Mal pro Woche zur Dialyse. „Das waren Schmerzen. Ich war oft blass und müde und konnte nicht schlafen“, erzählt die jetzt 56-Jährige. Auf eine neue Niere musste sie lange warten.

„Sonst weine ich schnell vor Glück, aber in dem Moment war ich zu aufgeregt.“

Silvia Winning Organ-Empfängerin

In der Nacht zum 8. Mai 2002 kam der Anruf aus Hann. Münden. „Ich fragte mich: Wer ruft denn jetzt an?“, erinnert sich Silvia Winning. Als sich am anderen Ende der Leitung ein Arzt des Nephrologischen Zentrums Niedersachsen meldete, war ihr klar, dass das Warten ein Ende hatte. Ein Spender war gefunden worden. „Sonst weine ich schnell vor Glück, aber in dem Moment war ich zu aufgeregt.“ Ihr Mann Werner fuhr sie nach Hann. Münden. „Endlich ist es soweit, rief ich den Ärzten zu“, erzählt sie. Noch am selben Tag bekam Winning ein neues Organ. Angst vor der Operation hatte sie nicht. Alles verlief reibungslos, und drei Wochen später konnte sie zum ersten Mal nach vielen Jahren zur Toilette.

Die neue Niere hat ihre Funktionen übernommen und die Nierenwerte sind gut. Jetzt darf Winning ganz normal essen und trinken, sie hält sich auf einem Hometrainer fit und pflegt den Garten und die vielen Blumen im Haus.

Dass sie wieder ein ganz normales Leben führen kann, findet Silvia Winning nicht selbstverständlich. Nicht allen Patienten geht es nach einer Transplantation wesentlich besser.

Wer der Spender gewesen ist, wird sie nie erfahren. Sie weiß nur, dass das Organ vom Transplantationszentrum in Hamburg kam. Sie möchte aber etwas zurückgeben. Daher engagiert sie sich bei GIOS (Gemeinnützige Interessengemeinschaft Organspende) – einem Verein, der über Organspende aufklärt. Jeden ersten Donnerstag im Monat treffen sich die Mitglieder ab 19 Uhr im Hotel Zum Alten Brauhaus in Hofgeismar. Silvia Winning wirbt dort für den Organspendeausweis. Sie findet, dass in Deutschland die Widerspruchsregelung gelten sollte. Dann könnte jeder Organspender werden, der sich nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat. Das würde noch mehr Leben retten.

Ihre Mutter ist an einer Nierenerkrankung gestorben. Seit ihrer Transplantation feiert Silvia Winning jedes Jahr den 8. Mai wie einen zweiten Geburtstag.

Von Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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