Studie zur Revitalisierung der Homberger Innenstadt vor

Entwurf für Leben auf fünf Ebenen

Hat sich viele Gedanken zur Revitalisierung der Homberger Innenstadt gemacht: Architekt Jochen Gontermann (rechts) referierte am Donnerstag in der Stadthalle vor 150 Zuhörern. Foto: Rohde

Homberg. Viele Versuche sind in Homberg bereits unternommen worden, um mehr Leben in die Innenstadt zu bringen.

Die Hoffnungen auf einen großen Wurf, die beispielsweise im Zusammenhang mit Plänen für einen Einkaufsmagneten am Marktplatz geweckt wurden, haben sich bisher nicht erfüllt. Eine Situation, die den Ehrgeiz und die Kreativität von Jochen Gontermann, dem Architekten der Stadt, geweckt hat.

Seine Vision von einer Stadt, in der es sich lohnt zu leben, zu arbeiten und zu wohnen, stellte er am Donnerstag in der Stadthalle vor. 150 Homberger hörten seinen Vortrag und sahen sich ein Modell an, das der engagierte Architekt bereits gebaut hat (wir berichteten).

Vorerst handele es sich um eine Projektstudie, die - falls das Parlament zustimmt - auf ihre Realisierungschancen überprüft werden müsste, sagte Gontermann. Seine Vorschläge beziehen sich insbesondere auf das Quartiers zwischen Holzhäuser Straße, Marktplatz, Kreuz- und Salzgasse. Auf fünf Ebenen könnten dort Parkplätze, Geschäfte, ein Lebensmittelgeschäft, Büros, Grünflächen und hochwertige Wohnungen entstehen.

Einige der vorhandenen Gebäude in diesem Quartier müssten weichen. Es handele sich allerdings um rückseitige Anbauten, Garagen, Remisen und ein kleineres Fachwerkgebäude. 14 Läden mit einer Gesamtfläche von 4840 Quadratmetern und 23 barrierefreie Wohnungen (erreichbar über Aufzüge) sowie zahlreiche zusätzliche Parkplätze könnten in diesem Quartier gebaut werden, rechnete Gontermann vor. Vor allem in der oberen Etage wären die Wohnungen sehr attraktiv. Allein das Anwesen Landesfeind würde Platz für 13 barrierefreie Wohnungen sowie 14 Anlieger-Parkplätze bieten.

Am Ärztehaus könnten entlang der Stadtmauer (mit Zufahrt von der Obertorstraße) auf mehreren Ebene Parkplätze gebaut werden. Ein Parkdeck auf drei Etagen ließe sich am Reithausplatz ansiedeln. Gontermann: „Das wären insgesamt mehr Parkplätze als Homberg benötigt.“

Die Verkehrsführung in der Innenstadt sollte nach Ansicht des Architekten überprüft werden. Flexibilität wünscht er sich für die Fußgängerzone, die grundsätzlich aber erhalten bleiben sollte. Die Holzhäuser Straße sollte wieder zweispurig befahrbar sein.

Generell müsse der Suchverkehr nach Parkplätzen eingedämmt werden, etwa durch ein digitales Parkleitsystem.

Ideen hat er auch für ein Nahwärmekonzept mit der Nutzung von Erdwärme, kombiniert mit einem Blockheizkraftwerk und einer Gastherme als Reserve. Mehrere Häuser am Marktplatz könnten an das Nahwärme-Netz angeschlossen werden.

Auch zu Kosten äußerte sich Gontermann. Seine Schätzung: 15 Millionen Euro. Wenn es gelinge, die Revitalisierung der Homberger Innenstadt als Modellprojekt mit Beispielscharakter auch für andere Kommunen anzulegen, könnte es Zuschüsse von bis zu 30 Prozent geben.

Jährliche Mieteinnahmen

Darüber hinaus ließen sich nach Ansicht Gontermanns jährlich etwa 900 000 Euro an Mieteinnahmen erzielen. In elf bis zwölf Jahren könnte sich das Projekt finanziert haben.

Die Kosten sollten nicht das Totschlagargument sein, meinte Bürgermeister Martin Wagner. Es lohne sich, für diese tollen Ideen einzutreten und sich für eine Förderung stark zu machen.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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