Lieselotte Heckmann liebt es, Erlebnisse und Gedanken in Reimform zu verarbeiten

Ihr Leben ist ein Gedicht

Ein Aktenordner voller Gedichte: Lieselotte Heckmann sammelt ihre Texte. Das Bild im Hintergrund zeigt Ungedanken – sie hat es selbst gemalt. Foto: Sonnabend

Ungedanken. Im Winter fehle ihr das richtige Tageslicht zum Malen, erzählt Lieselotte Heckmann aus Ungedanken. Die 72-Jährige bezeichnet Malen als ihr größtes Hobby. Aber in Tagen, in denen es ihr dazu zu dunkel ist, macht es nichts, dass sie nicht zu Pinsel und Farbe greifen möchte – dann bleibt ihr noch etwas anderes: Gedichte schreiben.

Das hat sie auch schon über viel dunklere Zeiten als bloß triste Wintertage hinweg getröstet. Vor drei Jahren, als ihr Mann nach schwerer Krankheit starb. „In der Nacht, in der er starb, habe ich mich hingesetzt und in Reimform niedergeschrieben, was mich bewegt“, erzählt sie.

„Es war auch nicht alles besser in der Vergangenheit, doch besinnlicher und ruhiger war die Zeit.“

Aus dem Gedicht „Weihnachten“

Eigentlich habe sie nur gedichtet, weil sie nicht hatte schlafen können – um sich müde zu machen. „Aber es hat mir geholfen, ich habe mich danach so viel besser gefühlt.“

Seitdem spendete ihr das Gedichteschreiben immer wieder Trost. Aber nicht nur zu ernsten Anlässen dichtet Lieselotte Heckmann: „Ich habe eigentlich schon mein ganzes Leben in Gedichtform verfasst.“

Texte ganz normal in ein Tagebuch zu schreiben, reicht ihr nicht: „Gedichte erfordern mehr Konzentration. Manchmal glaube ich, ich kann nur in Reimen denken“, sagt sie.

Viele ihrer Gedichte handeln auch von ihrer Heimat Ungedanken. Wenn sie von ihrem Wohnzimmerfenster aus auf die Eder blickt, dann reimt sie von der Schönheit der Natur, über den goldenen Herbst: „Über dem Ederlauf steigen dichte Nebel auf“, heißt es da. Ihre Kinder schütteln manchmal den Kopf, wenn sie ihre Gedichte lesen, zum Beispiel darüber, dass die Weihnachtszeit früher besinnlicher war. „Dass das ein bisschen zeitkritisch ist, ist mir klar“, sagt Heckmann. „Aber ich gehöre ja auch zu einer anderen Generation.“

Egal ob Konfirmation, Silberhochzeit, oder 18. Geburtstag: Lieselotte Heckmann verfasst auch für ihre Familie zu allen möglichen Anlässen Gedichte. Ein Mädchen, das in eine Kerze blickt, ein Weihnachtsmann, der ein Kind an der Hand hält – Motive von selbstgemalten Karten, die Heckmann ihren vier Enkelkindern zu Weihnachten schenkt. Natürlich mit einem selbstverfassten Vers.

Reime zu finden, fällt ihr nicht schwer: „Ich setze mich einfach in Ruhe hin und schon fallen mir diese Dinge ein.“ Manchmal auch, wenn sie schon im Bett liegt.

Lieselotte Heckmann dichtet, wenn sie etwas bewegt und das Dichten bewegt sie: „Ich bin kein Profi, um Gottes Willen, aber es macht mir Freude“, sagt sie. Und das merkt man ihr an.

Von Nora Sonnabend

Quelle: HNA

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