Die Theatergruppe KulT in Fritzlar feierte am Wochenende die Premiere eines Dramas

Das Leben als Gesellschaftsspiel

Doppelrolle: Ursula (Ulrike Knieling) und Kasper (Alexander Bräutigam) sind Geburtstagsgäste und Job-Bewerber. Foto: Eberlein

Fritzlar. „Alles was man tut, tut man aus Selbsterhaltungstrieb.“ So rechtfertigen die Personen im Drama „Das Gesellschaftsspiel“ ihr Handeln. Das Stück von Werner Bauknecht steht zurzeit auf dem Spielplan der Fritzlarer Theatergruppe „KultT“. Am Freitag war Premiere. Sie hätte erfolgreicher kaum sein können.

Und das, obwohl die Darsteller dem Publikum keine leichte Kost servierten: Bauknechts Theaterstück ist alles andere als eine Komödie. Menschliche Abgründe tun sich auf – Gier, Betrug, Ausbeutung und Missgunst regieren die Akteure, in deren Mittelpunkt der skrupellose Geschäftsmann Tauber (gespielt von Herbert Steinmetz) steht.

Am Abend vor seinem fünfzigsten Geburtstag treffen sich die Familie, einige vermeintliche Freunde und auch die Geliebte des Jubilars in dessen Haus. Keiner der anwesenden Gäste ist bisher von der Hinterhältigkeit, Verschlagenheit und Gemeinheit Taubers verschont geblieben. Tauber spielt mit seinen Mitmenschen, er benutzt sie, wie es ihm gefällt.

Doch das bleibt nicht ungerächt. Um den Tyrannen zu stürzen, entsteht ein Komplott. Mit einem Mal sind sich alle Gäste sicher, dass es nur noch eine Möglichkeit gibt: Sie treiben Tauber unter Beifall in den Selbstmord.

Es kam dem Publikum zu Recht befremdlich vor, dass Tauber nach seinem Selbstmord plötzlich lebendig zurück auf die Bühne schritt und die vermeintlichen Geburtstagsgäste ihm applaudierten.

In Wirklichkeit war alles, was bisher geschehen war, nur ein Rollenspiel gewesen. Es war ein Test im Auswahlverfahren für einen Arbeitsplatz, um den geeignetsten Bewerber herauszufinden.

Am Ende fordert der Kampf um einen Arbeitsplatz aber tatsächlich noch ein Opfer: Einer der Teilnehmer treibt seine Rolle so auf die Spitze, dass der Darsteller von Tauber die Beherrschung verliert und den Konkurrenten mit einer Flasche niederstreckt.

Die Zuschauer im nahezu ausverkauften Saal am ersten Spielwochenende waren begeistert. Das lag nicht zuletzt an den schauspielerischen Fähigkeiten der Darsteller, die von aufrichtig bis zynisch reichten. Mit der Stückauswahl traf die Gruppe unter der Regie von Ulrike Wandelt und Hannelore Döring sowohl den Nerv der Zeit, als auch den Geschmack des Publikums.

• Weitere Spieltermine: 19. und 20. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, Haus an der Eder

Von Christl Eberlein

Quelle: HNA

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