Hobbygärnterin Brigitte Jenauer lebt und zehrt von ihrem grünen Reich

Leben hinterm Gartenzaun

Wohnzimmer unter freiem Himmel: Die Heimarshäuserin Brigitte Jenauer verbringt viel Zeit in ihrem großen Garten. Foto: Schleichert

Heimarshausen. Ein altes Damenfahrrad trägt sie zum Paradies. Seine rostigen Wunden verraten, dass es diesen Dienst schon lange leistet. Jahr für Jahr, Tag für Tag. Auch heute lehnt Brigitte Jenauer das dunkelgrüne Rad mit den Altersflecken an die Eingangspforte. Dann betritt sie ihr Paradies auf 1400 Quadratmetern: Der Garten ist ihr Wohnzimmer, ihr Selbstbedienungsladen, ihre Apotheke.

Hinter dem Gartenzaun an einer Heimarshäuser Straße schlängelt sich ein schmaler Weg in das Herz des Gartens. Blumen ranken, Kräuter duften, die Herbstsonne wirft mit letzter Kraft Strahlen durch die Blätter eines knorrigen Apfelbaums. Brigitte Jenauer, 66 Jahre alt, sitzt inmitten der satten Natur, schält Äpfel in Kokosnussgröße und sagt: „Ein eigenes Stück Erde war immer mein größter Wunsch.“

Das Rasenstück vor dem Wohnhaus war Brigitte Jenauer zu klein. Den großen Wunsch vom großen Garten erfüllten sich das Ehepaar Jenauer vor zehn Jahren. Aus dem Stück Erde wuchs ein grünes Wohnzimmer – ein Lebensraum für die Jenauers und ihre Pflanzen.

Hinter dem Gartenzaun beginnt die Freiheit: Die Jenauers sind frei, ihrem liebsten Hobby nachzugehen – und die Natur darf sich frei ausbreiten: „Die Pflanzen können hier wachsen, wie sie wollen“, sagt Brigitte Jenauer, während sie durch den Garten wandert. Unter ihren Füßen raschelt das trockene Laub. Plötzlich bleibt sie stehen, rupft ein haariges Blatt von einem vollen Stock ab und steckt es sich in den Mund: „Zitronenmelisse beruhigt“, sagt sie.

Natur heilt, da ist sich Brigitte Jenauer sicher. „Wenn ich krank bin, bediene ich mich zuerst am Kräuterbeet“, sagt sie. Chemie benutzt sie nur im äußersten Notfall.

Die Rentnerin wandelt durch ihren Garten. Sie ist ein wandelndes Kräuterlexikon. „Pfefferminz ist nicht gleich Pfefferminz“, sagt sie. Neben der normalen Sorte duften in Brigitte Jenauers Kräuterbeet vier andere um die Wette. „Russische Minze, Ananasminze, Erdbeerminze, Orangenminze“, zählt sie auf.

Der Kräutergarten ist Brigitte Jenauers Apotheke, das Gemüsebeet ist ihr Selbstbedienungsladen. Den einzigen, den sie mit dem Fahrrad erreichen kann. Denn einen Supermarkt gibt es nicht in Heimarshausen. „Ich fahre nicht für jeden Kohlkopf mit dem Auto“, sagt Jenauer. Sie lacht.

Dann steigt die 66-Jährige schwungvoll auf ihr 20 Jahre jüngeres Fahrrad und radelt davon. Bis morgen.

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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