Nachruf: Anneliese Knauff engagierte sich für die Frauenselbsthilfe nach Krebs

Ein Leben für die Menschen

Für ihr großes Engagement erhielt Anneliese Knauff das Bundesverdienstkreuz. Sie starb im Alter von 83 Jahren. Foto: privat/nh

Niedergrenzebach. „Wie lange wir leben, wissen wir nicht, aber wie wir leben, können wir selber bestimmen“, betonte Anneliese Knauff bei vielen Gelegenheiten. Und selbstbestimmt lebte sie bis zu ihrem Tod.

Anna Elisabeth (Anneliese) Knauff gründete und leitete die erste Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs im Schwalm-Eder-Kreis. Es begann vor etwa 30 Jahren, wo man noch mit vorgehaltener Hand und ganz leise über die Krankheit Krebs sprach. Betroffene hatten Angst und kämpften alleingelassen um ihr Leben.

Dr. Anton Drähne, Gynäkologe in Kreiskrankenhaus Ziegenhain, erkannte diese Not. Er holte die Niedergrenzebacherin und einige betroffene Frauen zusammen und erklärte, dass die Psyche eine große Rolle spiele und man müsse über die Probleme und Ängste sprechen. So wurde beschlossen, eine Gruppe zu gründen, die sich einmal im Monat zum Gespräch trifft. Damals war Anneliese Knauff noch recht schwach und selbst gezeichnet von der Krankheit.

Gruppenleitung

Dennoch war sie mutig und bereit, die Gruppenleitung zu übernehmen. Sie schloss sich der bundesdeutschen Organisation Frauenselbsthilfe nach Krebs an. Zu den Treffen wurden Ärzte und Therapeuten eingeladen. Es war eine lustige Gruppe, es wurde viel gesungen, getanzt, gebastelt und einmal im Monat gewandert. Sie wirkte mit im Bundesverband und half vielen Frauen in der Region aber auch bundesweit mit Rat und Tat bei Tumorleiden.

Sie besuchte Kranke in den Kliniken Kassel, Marburg, Homberg, Ziegenhain, und auch zu Hause, nahm an Landes- und Bundestagungen teil, machte Behördengänge, versuchte mit Ärzten Termine in Krankenhäusern und Kliniken zu vermitteln.

Bundesverdienstkreuz

Für ihr aufopferndes Engagement erhielt sie 2005 das Bundesverdienstkreuz und den Ehrenbrief des Landes Hessen. Diese Auszeichnungen bedeuteten ihr sehr viel. „Indem ich anderen half, half ich mir selbst. Diese Arbeit hat sich gelohnt, wir haben gelernt mit der Krankheit Krebs zu leben“, erklärte sie bei der Verleihung.

2009 erkrankte Anneliese Knauff und lag mehrere Wochen im Koma. Ihre Lungentätigkeit war so eingeschränkt, dass sie künstlich beatmet werden musste. Ihr gesundheitlicher Zustand war so beeinträchtigt, dass die Ärzte kaum noch eine Überlebenschance für sie sahen. Doch wider alle Prognosen erholte sie sich und lebte – wenn auch gesundheitlich eingeschränkt – weiter. Als ihr Mann 2011 erkrankte, pflegte sie ihn. Er starb im November 2011.

Im vergangenen Jahr wurden ihre teils krankheitsbedingten aber auch dem Alter geschuldeten Leiden mehr. In den letzten Monaten litt sie unter Schmerzen und Atemnot und ihr Lebenswille schwand mit dem Leid täglich mehr und mehr. Ihr schon geschwächtes Immunsystem vermochte einen aufkeimenden Infekt in der letzten Woche nicht mehr abzuwehren.

Am 4. Juni starb Anneliese Knauff im Alter von 83 Jahren, im Beisein ihrer Schwestern, ihres Enkels und ihrer Tochter nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt, jedoch zuhause – ihren Wünschen entsprechend. (syg)

Quelle: HNA

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