Anneliese Heipel-Biedebach schätzt die Schönheit des Schwälmischen und wurde dessen Botschafterin

Leben für die Pracht der Tracht

In ihrem Wohnbereich in Ziegenhain: Anneliese Heipel-Biedebach liebt Schönes, Traditionelles und Handwerkliches. Foto: Quehl

Ziegenhain. Ihre Gedanken sind jetzt noch häufiger in Japan als gewöhnlich. Dabei war es ihr 1943 nicht unbedingt an der Wiege in Obergrenzebach gesungen, dass sie es mal zur inoffiziellen Schwälmer Botschafterin im Land der aufgehenden Sonne bringen würde. Seitenweise ziert der immer gleiche Visumsstempel Anneliese Heipel-Biedebachs wohlgehüteten Reisepass: Über Encourage in Alaska führten die Ziegenhainerin viele Reisen ins ferne Japan.

Noch heute gerät die bekannte Sammlerin und Liebhaberin der Schwälmer Tracht ins Schwärmen über diese Zeit. Erste Kontakte waren in den achtziger Jahren durch das Hans-Staden-Institut in Brasilien geknüpft worden.

In Tracht in Asien

Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße war Anneliese Heipel-Biedebach unterwegs. Sechsmal besuchte sie das Land, je zwischen zwei und drei Wochen, und sie half auch mit, den Erlebnispark Glückskönigreich eines japanischen Bauunternehmers mitaufzubauen und zu dekorieren. Und Anneliese Heipels Mutter war vielleicht die einige Tracht tragende Schwälmerin, die Asien gesehen hat.

Mit ihrem Beruf als Verwaltungsangestellte im Sozialärztlichen Dienst ließ sich das vereinbaren, teils wurde sie für ihre Reisen freigestellt, denn die führten sie schließlich auch durch halb Europa: Finnland, Dänemark, die Schweiz, Frankreich und Italien. „Ich habe so gern die Schwalm repräsentiert“, erzählt sie, „daran habe ich ganz wunderbare Erinnerungen.“ Und: „Ohne meine Schwälmer Tracht hätte ich das alles nicht erlebt.“

Was sie als als Kind und junges Mädchen, nun in Wasenberg zu Hause, erlebte, war die Härte der alten ständischen Gesellschaft in der Schwalm. In zwei verschiedenen Gasthäusern feierten die Dorfbewohner Kirmes. In dem einen blieben die Wohlhabenden unter sich, für die Kinder fielen allenfalls Kuchenränder ab. Wie anders ging es dort zu, wo die einfacheren Menschen feierten, dort wurde geteilt. Trotzdem: Die stolze Schwälmer Tracht der großen Bauern, ihrer Frauen und Töchter taten es dem Mädchen Anneliese an: „So breite Röcke, es glimmerte und glänzte.“

Die Familie, der Vater war zurück aus dem Krieg, lebte im Haus der Großeltern. „Wir waren zwar arme Leute“, erzählt Anneliese Heipel-Biedebach, doch in den bescheidenen Möglichkeiten pflegte die Familie ihre Kultiviertheit. Der Bruder der Großmutter war ein Freund von Albert Schweitzer, der Vater, Bauleiter in Ziegenhain, hatte im Ort als einziger eine Schreibmaschine und versah die Korrespondenz für viele, die seine Hilfe suchten.

Zu Fuß zur Schule

Tochter Anneliese besuchte das Schwalmgymnasium. Täglich nach Treysa ging es zu Fuß oder per Rad. Die Schülerin lernte, sich an wenig zu ergötzen und schlichte Dinge zu schätzen. Ein Apfel oder ein paar Blumen sorgten für Freude. Schönes zu versammeln wurde Anneliese Heipels große Leidenschaft. Heute verfügt Anneliese Heipel-Biedebach über eine umfangreiche Bunt- und Weißstickereisammlung. Schwälmer Puppen, Gemälde, erlesene Souvenirs ihrer vielen Reisen und vieles mehr schmücken ihren Wohnbereich. „Erklären kann man das nicht, es war eben schon immer mein Wunsch, mal so etwas Schönes zu besitzen.“

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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