Kapelle im Naumburger Haus Sankt Josef kann wieder genutzt werden

Leben im Raum der Stille

Raum der Stille: Die Kapelle im Schwesternhaus, wie die Naumburger das heutige Haus im Josefsgarten meist nennen, kann wieder genutzt werden. Allerdings steht eine Renovierung mit Erneuerung des Anstrichs und kleineren Reparaturen in den kommenden Jahren noch an. Das Landesamt für Denkmalpflege hat hierfür mit Untersuchungen der Farbschichten bereits Vorarbeiten geleistet. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Wieder eine große Etappe geschafft. Die Kapelle im früheren Domizil des Vinzentinerinnen-Ordens in Naumburg ist soweit, dass sie genutzt werden kann.

Bis dahin war es ein streckenweise beschwerlicher Weg, schließlich sollte der denkmalgeschützte neobarocke Gebetsraum, der die vergangenen 100 Jahre nahezu unverändert überdauert hat, dem Bau seniorengerechter Wohnungen geopfert werden.

Mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass die Caritas für das Haus Sankt Josef – erworben von der Katholischen Kirchengemeinde und lange als Altenheim genutzt – Pläne präsentierte, wie sie das Haus zu einem barrierefreien Gebäude mit seniorengerechten Wohnungen umbauen wollte. Die Kapelle sollte im Zuge der Entkernung des Bauwerks verschwinden. Dagegen wehrten sich Naumburger Bürger. Die Denkmalpflege wurde eingeschaltet, die den besonderen Schutz des Gebetsraums bestätigte und der Zerstörung einen Riegel vorschob. Unter der Voraussetzung, dass aus den Reihen der Retter ein Konzept für die künftige Nutzung der Kapelle vorgelegt würde – was auch zügig geschah –, akzeptierte die Caritas den Erhalt und plante neu.

Mittlerweile sind nahezu alle neun Wohnungen vermietet, und an den Katholischen Bürgerverein, der die Patenschaft – und auch die Miete – für die Kapelle übernommen hat, wurden bereits Anfragen aus den Reihen der Bewohner gerichtet, ob man hin und wieder die Kapelle als Raum der Stille und des Gebets nutzen könne.

Ehrenamtlicher Einsatz

Nachdem der Verein mit einem Arbeitseinsatz den Raum vom Staub befreit hat, ist er wieder nutzbar. Schon wurde er von Klinikseelsorgern für den Abschied einer Kollegin in den Ruhestand ausgewählt, und auch die Hausbewohner hatten über die Weihnachtsfeiertage die Möglichkeit, sich zum Gebet in den Raum der Stille zurückzuziehen.

Die Kapelle soll genutzt werden, das ist auch klarer Wunsch der Verantwortlichen des Katholischen Bürgervereins, der die Miete ausschließlich aus Spenden aufbringt. „Ein Museum“, sagt Ernst-Willi Kamp vom Vorstand, „soll die Kapelle nicht sein“. Sie soll so oft es geht mit Leben erfüllt sein, Veranstaltungen sollen hier stattfinden, die in die besondere Atmosphäre des Raumes passen: Andachten, Meditationen, kleinere kulturelle Veranstaltungen, aber auch Taufen. • Kontakt: Wer Interesse an der Nutzung der geretteten Kapelle hat oder sich den Raum einmal ansehen möchte, wendet sich an Ernst-Willi Kamp, 05625/5669.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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