Leben retten per Telefon: 16 Menschen in Stadt und Kreis wiederbelebt

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Kreis Kassel. In Stadt und Landkreis Kassel sind im vergangenen Jahr 329 Menschen reanimiert worden. Bei 136 Frauen und Männern konnte der Kreislauf wiederhergestellt werden. Allein 16 davon konnten durch Ersthelfer wiederbelebt werden, die telefonische Unterstützung der Leitstelle erhielten.

„Das klingt zwar wenig“, sagt Torsten Müller, Leiter des Rettungsdienstes. Doch die Leitstelle in Kassel startete erst im vergangenen Jahr mit dem Angebot. 

„Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, sagt Müller. Zudem sei nicht jeder Ersthelfer in der Lage eine Herzdruckmassage auszuführen - trotz telefonischer Anleitung. „Das ist sehr anstrengend. Eine 84-Jährige belebt niemanden wieder.“ Eine Herzdruckmassage müsse durchgehalten werden, bis der Rettungswagen vor Ort sei. „Das sind dann fünf bis sechs Minuten“, erklärt Müller.

Alle Disponenten der Leitstelle haben eine spezielle Ausbildung für die Reanimation per Telefon, sagt Müller. „Alle Mitarbeiter der Leitstelle sind Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten“, sagt der Chef der Leitstelle, Thomas Schmidt. Jedes Jahr hätten sie Pflichtfortbildungen im Umfang von 80 Stunden. Neben der speziellen Schulung zur Telefonreanimation hätten alle Mitarbeiter Einsatzerfahrung. „Eine Reanimation per Telefon ist deutlich umfangreicher“, sagt Schmidt.

Angeboten werde die Reanimation mit telefonischer Unterstützung, weil bei einem Herzstillstand jede Minute zähle, sagt Müller. „Es ist wichtig, die Zeit zu überbrücken, bis Sanitäter beim Patienten sind. Und bei vielen Menschen ist der Erste Hilfe-Kurs lange her.“

Viele Ersthelfer müssten nicht lange überzeugt werden, tätig zu werden: „Die meisten Anrufer kennen die Menschen, die einen Herzstillstand haben. Da ist die Hemmschwelle nicht so groß.“

Hintergrund

Die Leitstelle von Stadt und Kreis Kassel ist permanent von Mitarbeitern besetzt, um Notrufe entgegennehmen zu können. Im vergangenen Jahr waren die Retter 113 500 Mal im Einsatz. Dazu gehöhren aber nicht nur Rettungsdienste und Sanitäter. Auch Feuerwehreinsätze und Rettungshubschrauber werden von der Leitstelle koordiniert. Ein Notarzt wird nicht immer gebraucht. Das entscheiden Rettungsdienste oftmals erst direkt vor Ort. Im schlechtesten Fall brauchen Sanitäter und Krankenwagen zehn Minuten bis zum Patienten. In den meisten Fällen ist aber schon nach fünf bis sieben Minuten nach dem Notruf Hilfe bei den Menschen.

Quelle: HNA

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