Brandstiftung möglich: Ermittlungen dauern an – Familie zieht in Wohnwagen

Leben in Schutt und Asche

Idylle ist futsch: Von dem ehemaligen Wohnhaus ist nur noch ein Gerippe übrig. Das Haus an der Weißenthalsmühle ist unbewohnbar. Corinna Schulze blickt auf die Überreste. Fotos: privat/nh

Niedenstein. Pinsel und Kira leben noch. Die beiden Katzen von Corinna Schulze und Volker Günther tauchten einen Tag nach dem Brand ihres Wohnhauses an der Weißenthalsmühle im Schnee auf. „Sie sind völlig verstört“, sagt Corinna Schulze. Wahrscheinlich seien sie während des Feuers durch den Keller entkommen.

Fassungslos begutachtet das Ehepaar die Reste seines Hauses. Schutt und Asche: Mehr ist nicht übrig geblieben. In diesen Überresten suchen die Beamten des Landeskriminalamtes und der Kripo Homberg nach verwertbaren Spuren. „Es wird in Richtung Brandstiftung ermittelt“, sagt Reinhard Giesa, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Die Ermittlungen dauerten noch an. Am Mittwoch wird ein Brandgutachter der Versicherung hinzugezogen.

„Unsere Tür haben die Beamten schon mitgenommen“, sagt Corinna Schulze. Die Beamten suchten wohl Einbruchsspuren.

„Ich will mir sicher sein, dass nicht wir es sind, die das nächste Mal brennen.“

Erst vor zwei Wochen war in das Haus eingebrochen worden. „Ich habe Angst um meine Frau“, sagt Volker Günther. Er erinnere sich, wie er einem Freund mal sagte, Angst im Wald zu leben habe er nicht, viel gefährlicher sei es in Kassel in der Innenstadt. „Ich weiß nicht, ob das noch stimmt“, sagt der 46-Jährige. Vielleicht habe es ja doch irgendwer auf sie abgesehen. Er wisse aber nicht, wen er sich zum Feind gemacht haben könnte. Schaurig sei die Vorstellung, dass offenbar jemand gewusst habe, dass sie nicht zu Hause seien.

Eines ist aber sicher, Freunde hat die Familie: „Unser E-Mail-Eingang läuft über und viele Menschen haben uns auch persönlich Mut zugesprochen“, sagt Corinna Schulze.

Wohnung angeboten

Ute Lümpert, eine Fremde, hat der Familie sogar eine ihrer Wohnungen zur Verfügung stellen wollen. Natürlich kostenlos. „Wir wissen gar nicht, was wir sagen sollen“, sagt Corinna Schulze. Auf dem Gelände gebe es zwar kein Wasser mehr, die Versorgung war im Keller des Wohnhauses untergebracht, aber sie würden an der Mühle schlafen.

„Wir haben einen Wohnwagen organisiert. Wir müssen die Pferde versorgen und wollen das Lokal nicht unbeaufsichtigt lassen“, sagt Günther.

Die im Jahr 2008 abgebrannte Wohnung über dem Ausflugslokal ist noch nicht wieder bezugsfertig. Durch den Brand wird die Familie viel Geld verloren haben. Ein neues Dach, ein neuer Boden, neue Fenster und eine neue Einrichtung waren in dem lange leerstehenden Haus fällig. „Wir hatten ja auch keine Möbel mehr“, sagt die 47-Jährige. Für die Umbauarbeiten werde die Versicherung wohl nicht aufkommen. Das Geld sei nicht wichtig, erwidert Günther. „Ich will mir sicher sein, dass nicht wir es sind, die das nächste Mal brennen“, sagt er mit Tränen in den Augen.

Quelle: HNA

Kommentare