Immer mehr Läden schließen in der Homberger Altstadt

Problemfall Innenstadt Homberg: Wie man sie beleben kann, bleibt Thema im Stadtparlament. Foto: ula

Homberg. Die Homberger Altstadt hat ein Problem: Ihr fehlen die Menschen. Rund um Marktplatz und Untergasse schließen immer mehr Läden mangels Kundschaft, die Zahl der Bewohner sank in den vergangenen 15 Jahren um 25 Prozent.

Wie frisches Leben dauerhaft in die alte Stadt transportiert werden kann, wird seit geraumer Zeit diskutiert. Jetzt wollen sich die Stadtverordneten aller Fraktionen aktiv an der Debatte beteiligen. Das beschlossen sie am Donnerstagabend in der Stadthalle einstimmig.

Klaus Bölling von der Fraktion Die Grünen war es, der Alternativen zu der im März beschlossenen Planung eines großen Einkaufszentrums auf der Ostseite des Marktplatzes forderte und auch vorschlug.

Die „große Lösung“ mit einer Fläche von 5000 bis 7000 Quadratmetern sei nicht realisierbar in der Altstadt, argumentierte Bölling. Schließlich werde jeder Geschäftsmann immer nur dann erfolgreich arbeiten, wenn er Gewinne erwirtschaften könne.

„In Homberg gibt es keine Luft für Neuansiedlungen“, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende. Das habe auch das Gutachten der GMA ergeben. Erfolgreiche neue Ansiedlungen in der Altstadt seien nur möglich durch Verdrängung. „Aus der gut erschlossenen Peripherie in die Innenstadt wechseln“ - das sei unrealistisch, ist Bölling überzeugt.

Er warnte davor, mit einem großen Einkaufszentrum nicht nur die historischen Quartiere zu zerstören, sondern auch künftigen Leerstand zu produzieren: „Wenn die Ladenbetreiber eines Einkaufszentrums nach drei, vier Jahren merken, dass sich der Standort nicht lohnt, werden sie weggehen - und wir haben hässliche leere Immobilien.“

Bölling erläuterte den anderen Fraktionen, wie sich seine Fraktion eine Belebung der Altstadt vorstellt: • keine großen Läden, sondern kleine Fachmärkte, • Nahversorgermarkt statt Lebensmittel-Discounter, • Entwicklung von modernem Wohnraum (Fahrstuhl, Freiflächengestaltung), • Ansiedlung eines Gesundheitszentrums (Ärzte, Therapeuten, Sanitätshaus).

Auf jeden Fall sollten keine weiteren Gutachten in Auftrag gegeben werden, forderte Bölling. Auch müsse man das Projekt „Marktplatz-Ost“ aus der Prioritätsstufe 1 des Stadtumbau-Programms nehmen, um die Entwicklung anderer Quartiere fördern zu können.

Für ihren Antrag, bei dem das endgültige Ende des großen Einkaufszentrums gefordert wurde, hätten die Grünen am Donnerstagabend keine Mehrheit der Stadtverordneten gewonnen. Das wurde in den Stellungnahmen von SPD, CDU, FWG und FDP deutlich (siehe Artikel unten).

Doch nach einer Sitzungsunterbrechung, die die CDU-Fraktion beantragt hatte, rauften sich die Parlamentarier zusammen. Einstimmig beschlossen sie, den Antrag in den Ausschüssen zu beraten und danach erneut in der Stadtverordnetenversammlung zu thematisieren. Bis dahin darf der Magistrat keine weiteren Gutachten vergeben, keine Immobilien kaufen und kein Geld für das Projekt Marktplatz-Ost ausgeben.

Quelle: HNA

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