Er zündete sein Haus an: 54-Jähriger vom Amtsgericht Fritzlar verurteilt

Fritzlar. Ein 54-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis ist am Donnerstag vom Amtsgericht in Fritzlar zu einer Strafe von einem Jahr Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt worden. Er hatte im Herbst vergangenen Jahres sein eigenes Haus angezündet. Schaden: 150 000 Euro.

Richterin Corinna Eichler bittet darum, das Licht einzuschalten. Im dämmrigen Saal lässt sich die Wahrheit nur schwer finden. Der Angeklagte sitzt neben seiner Anwältin mit in Anspannung verrenkten Füßen und ineinander verschlungenen Händen.

Er hat ein Haus - sein Haus - angezündet. Die belastende Situation ist ihm deutlich anzusehen. Er wird gebeten, das Ereignis vom vergangenen Jahr zu schildern. Nach einiger Überwindung beginnt er mit leiser Stimme vom Erhalt eines Briefes zu erzählen.

Das Schreiben kam vom Anwalt seiner Ehefrau mit der Mitteilung zur gewünschten Scheidung. Vor Monaten bereits war die Frau mit den drei schulpflichtigen Kindern ausgezogen. Aber Tag für Tag bestand die Hoffnung, dass sich alles wieder einrenken würde. Doch nun dieses Schreiben mit dem so furchtbaren Begriff, der das bisherige Leben völlig verändern, sogar zerstören würde.

Der Angeklagte konnte nicht weiterlesen. Er betrank sich mit Bier. Härtere Sachen vertrug er nicht. Irgendwann versank er in Schlaf. Er versäumte am nächsten Tag den Arbeitsbeginn. Er trank erneut, um Trost zu finden. Das gelang nicht. Von der Tankstelle holte er Benzin für sein Moped. Den Kanister stellte er wie immer in den Keller.

Mit dem Kanister auf den Dachboden

Nach weiteren sechs Flaschen Bier holte er den Kanister und stieg auf den Dachboden seines Hauses. Er schüttete Benzin aus. Dann fand er keine Streichhölzer. Nach einigem Suchen entdeckte er ein altes Feuerzeug. Das Benzin entzündete sich nicht. Er schüttete etwas in einen weiteren Raum und dann ins Wohnzimmer. Hier gab es vom inzwischen gesättigten Gas/Luftgemisch eine Verpuffung.

Der Brandstifter sprang in den Garten, ganz erstaunt, dass nicht einmal seine Haare vom Feuer versenkt waren. Über 60 Feuerwehrleute löschten den Brand.

Der Dachstuhl war komplett zerstört. Die Polizei brachte den Mann zur Beobachtung in die Psychiatrie. Von dort ging es nach einigen Tagen in den Vollzug nach Kassel.

Nach einer Woche erfolgte unter Meldeauflagen die vorläufige Entlassung. In der weiteren Befragung durch das Gericht ergab sich, dass der Angeklagte seitdem wieder in Vollzeit arbeitete.

Die Scheidung inklusive einer finanziellen Abfindung für das gemeinsam besessene Haus ist geregelt. Für die Kinder wird monatlich eine Summe überwiesen.

Die Staatsanwältin stellte fest, der Sachverhalt der Anklageschrift habe sich in der Hauptverhandlung bestätigt. Die Tat geschah in einem emotionalen Ausnahmezustand und gilt somit als minderschweres Delikt. Zudem der Täter vor allem sich selbst geschädigt habe.

Dazu kommt die enorme Kostenlast für das zerstörte Haus, den Einsatz der Feuerwehrleute und Hilfskräfte und nicht zuletzt die auferlegten Verfahrenskosten.

Das Gericht berät lange

Es werden ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung beantragt. Die Rechtsanwältin schlägt vier Monate und eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen vor.

Nach längerer Beratungspause erfolgt das Urteil. Von einer Geldstrafe, sowie weiteren Auflagen wird bei der bereits bestehenden Belastung abgesehen. Zudem macht der Angeklagte einen bodenständigen Eindruck, wodurch ein fortan unbescholtenes Leben zu erwarten sei.

Es wird ein Jahr Haft auf eine dreijährige Bewährungszeit ausgesprochen. Durchaus mitentscheidend war auch das vor der Urteilsverkündung gesprochene Schlusswort des Angeklagten: Das Haus anzuzünden war eine total falsche Entscheidung.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

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