Mitglieder der Hospizgruppe Frielendorf wollen Ansprechpartner für Familien sein

Leben bis zuletzt begleiten

Begleiten Schwerkranke und deren Angehörige: Gerta Barth, Erika Hochmuth, Brigitte Vaupel, Heinz Rochholl, Bettina Nickel und Ingeborg Best (von links) von der Hospizgruppe Frielendorf. Foto: Rose

Frielendorf. Leben begleiten – bis zuletzt: Das ist seit 2006 das Ziel der Hospizgruppe Frielendorf. Doch noch immer ist Sterben ein Tabu, ist der Tod ein Thema, von dem viele „nichts hören wollen“. „Wir erleben häufig, dass sich Menschen erst damit auseinandersetzen, wenn es nicht mehr anders geht“, sagt Ingeborg Best, die zusammen mit Gerta Barth die Gruppe aus der Taufe hob. 15 Hospizhelfer haben sich bislang ausbilden lassen.

Im Alltag erleben die Helfer häufig, wie hoch die Hemmschwelle ist, sich tatsächlich Hilfe zu holen. „Dabei hat sich die Gesellschaft verändert. Es gibt mehr Alleinstehende, die nicht auf eine Familie zurück greifen können“, sagt Brigitte Vaupel. Heinz Rochholl hat beobachtet, dass besonders in ländlichen Gebieten die Hürde höher ist, sich Hospizhelfer an die Seite zu holen.

Gerta Barth bestätigt: „Da wird überlegt, was Nachbarn dazu sagen. Und häufig haben Angehörige einen zu hohen Anspruch an sich selbst. Dabei ist es wichtig, dass sie sich auch Ruhephasen gönnen.“

2010 hat sich die Gruppe ein Büro in der Frielendorfer Hauptstraße eingerichtet. Hier treffen sich die Mitglieder zu Gesprächen und Sitzungen. Die Leitung der Gruppe hat seit 2012 Bettina Nickel. Seit der Gründung haben die Frielendorfer die Hospizarbeit im Kreis maßgeblich voran getrieben: Es gibt verschiedene Angebote wie etwa Trauer-Cafés für Angehörige, 2011 schlossen sich die Gruppen der Region im Trauer- und Hospiznetzwerk Schwalm-Eder zusammen. „So halten wir Kontakt und wissen, wen wir wo ansprechen können“, erklärt Barth.

Die Gruppe in Frielendorf hat etwa 20 Begleitungen pro Jahr. „Aber wir wünschen uns, stärker wahrgenommen zu werden“, sagt Nickel. „Wir wollen Ansprechpartner für Familien sein.“ Klar macht Gerta Barth aber auch: „Wir kommen nur auf Wunsch. Aber wir wollen stärker in den Fokus rücken, dass Angehörige sich diese Hilfe wünschen dürfen.“

Es sind es die kleinen Wünsche, auf die die Hospizhelfer besonderes Augenmerk legen, wie das Streicheln der Hand oder das Auflegen einer besonderen Musik. „Wenn uns ein Mensch nicht sehen will, muss man das auch akzeptieren und darf es nicht persönlich nehmen“, sagt Brigitte Vaupel. Die Situationen sind auch für die Helfer oft belastend. „Es ist wichtig, darüber zu sprechen. Immer gibt es auch die Möglichkeit der Supervision“, verdeutlicht Barth.

Dass das Thema nach wie vor mit einem Tabu behaftet ist, zeigt die Resonanz bei Themenabenden oder Vorträgen. „Häufig werden die Angebote nicht gut angenommen“, sagen die Mitglieder.

Sich mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen bedeute, sich mit etwas Natürlichem auseinanderzusetzen. Von Sterbenden gehe eine große Ruhe aus, findet Vaupel. Barth sagt: „Aber es gibt auch Momente, wo man zweifelt. Zum Umgang mit Sterbenden gehört deshalb nicht nur Demut und Gelassenheit, sondern manchmal auch Zorn und Entschiedenheit. Jeder stirbt seinen eigenen Tod – dabei wollen wir helfen.“ HINTERGRUND

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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