Hospizdienst-Mitarbeiterin Wilma Kochensperger im Interview über ihre Aufgaben bei der Sterbebegleitung

Bis zum Lebensende soll niemand alleine sein

Wolfhagen. Niemand möchte einsam sterben. Darin sind sich die Mitarbeiter des Hospizdienstes im Wolfhager Land sicher. Deshalb bieten sie ehrenamtlich Sterbebegleitung an. Laut der Leiterin Dr. Doris Deutsch nimmt durch die alternde Gesellschaft der Bedarf an Betreuung im Alter und bei schwerer Krankheit zu.

Daher werden dringend weitere Mitarbeiter gesucht. Sie sollen das Betreuungsteam, das bislang aus 25 Personen besteht, bei Gesprächen mit Angehörigen, Beratung und bei der Betreuung von Kranken unterstützen. Eine Ausbildung zur Qualifizierung neuer Begleiter ist geplant. Wilma Kochensperger übt diese freiwillige Tätigkeit bereits seit dem Jahr 2006 aus. Sie berichtet im Interview, was sie dazu bewegt.

Frau Kochensperger, was motiviert Sie, sich beim Hospizdienst zu engagieren?

Wilma Kochensperger: Ein wichtiger Grund ist, dass ich sehr krank war und wieder gesund geworden bin. Dass es mir jetzt so gut geht, ist nicht selbstverständlich. Daher bin ich Gott sehr dankbar und möchte etwas zurückgeben.

Gelingt Ihnen das bei Ihrer Arbeit?

Kochensperger: Oh ja! Ich habe das Gefühl, dass es meine Berufung ist, die Schwerkranken und Sterbenden zu begleiten. Es geht darum, für sie da zu sein. Ich spüre oft, dass das dem Gegenüber gut tut. Ich werde dann gebraucht und gehöre in dem Moment einfach dorthin. Die Situation ist zwar immer ernst, denn für einen Menschen geht es zu Ende. Doch ich erlebe dann unwahrscheinlich viel Frieden.

Frieden? Haben nicht einige auch Angst vor dem Tod?

Kochensperger: Das stimmt. Manche Menschen sind kurz vor ihrem Tod sehr gelassen, andere unruhig.

Wie gehen Sie mit den unterschiedlichen Reaktionen der Menschen um?

Kochensperger: Es gibt taktvolle Möglichkeiten auszutesten, ob sich jemand wohl fühlt, wenn man zum Beispiel seine Hand hält.

Haben Sie das in Ihrer Ausbildung gelernt?

Kochensperger: Ja, ich habe gelernt, Körpersprache zu deuten, wenn ein Sterbender nichts mehr sagen kann. Wir müssen auch nicht immer sprechen, damit jemand merkt, dass er nicht alleine ist. Wir können singen, beten oder einen Psalm vorlesen. Aber nur bei Bedarf. Wir sind schließlich an keine Religion gebunden.

Sind Sie bei Ihrer Hospiz-Tätigkeit schon einmal an ihre Grenzen gestoßen?

Kochensperger: Bislang nicht. Durch meine Krankheit habe ich ein anderes Verhältnis zu Leben und Tod entwickelt. Wenn ein ganz alter Mensch stirbt, erinnere ich mich daran, dass das zum Leben dazugehört. Es gibt aber auch Fälle mit jungen schwerkranken Menschen, zu denen wir gehen. Das geht auch bei mir an die Substanz.

Haben Sie einen Ausgleich für diese Belastung?

Kochensperger: Beim Hospizdienst besprechen wir vieles im Team mit unserer Koordinatorin Dr. Doris Deutsch. Der Wettesinger Pfarrer Friedhelm Kötting unterstützt uns seelsorgerisch, ebenso wie der frühere Dekan Eckhard Deutsch. Außerdem gibt es eine Supervisorin, die Sozialtherapeutin ist, Petra Kronibus. Sie unterstützt uns bei Bedarf psychologisch. Mit ihr können wir über das Erlebte sprechen.

Welche Voraussetzungen sollten Mitarbeiter des Hospizdienstes mitbringen?

Kochensperger: Wer Schwerkranke und Sterbende begleitet, sollte mit Menschen arbeiten und sich auf sie einlassen wollen. Alles andere lässt sich lernen. (sdl)

Quelle: HNA

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