Hartz-IV-Empfänger besorgte sich reichlich Stoff im Ausland

Lebhafte Drogenpartys

Neustadt/Marburg. Mit einem blauen Auge davongekommen ist ein 23-jähriger aus Neustadt. Ein Marburger Schöffengericht verurteilte ihn gestern zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten auf Bewährung.

Die Staatsanwaltschaft warf dem jungen Mann vor, über einen längeren Zeitraum einen einträglichen Drogenhandel betrieben zu haben. Durch den Verkauf hatte sich der damalige Hartz-IV-Empfänger eine Einnahmequelle von erheblichem Umfang verschafft.

„Die Qualität war gut, und deshalb kamen auch viele von weit her zu ihm, um zu kaufen.“

Ein Zeuge

Die Geschäfte wurden vorwiegend in seiner Neustädter Wohnung abgewickelt, in welcher die Drogen meistens auch sofort konsumiert wurden.

Das Rauschgift hatte er sich nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft meist bei Fahrten nach Tschechien und Holland besorgt.

Dabei handelte es sich um jeweils mittlere Mengen von Marihuana und Amphetaminen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung vor einem Jahr waren bei dem Angeklagten dann Drogen in erheblicher Menge sichergestellt worden.

Bei der gestrigen Verhandlung stritt der Mann die Vorwürfe strikt ab. Die Zeugen hätten sich das alles aus den Finger gesogen. Eine Zeugin wolle sich an ihm rächen, weil er sie wegen häuslicher Gewalt mehrfach bei der Polizei angezeigt habe. „Alle Zeugen lügen. Ich habe ausschließlich für den Eigenbedarf gekauft, aber nie etwas verkauft. Kostenlos habe ich allerdings ab und zu etwas an Freunde abgegeben“, behauptete der Angeklagte.

Aber den Besitz einer Feinwaage wertete die Justiz als sicheres Indiz für den gewerbsmäßigen Handel. Bereits der erste von zwölf Zeugen brachte das Kartenhaus des Angeklagten zu Einsturz. Bis in die Einzelheiten berichtete der 21-jährige Neustädter von den Drogenpartys, bei denen vorwiegend Marihuana gekauft und oft sofort konsumiert wurde. „Kostenlos hat es keiner bekommen. Die Qualität war gut, deshalb kamen auch viele von weit her zu ihm, um zu kaufen“, berichtet der junge Mann, der bei der Verhandlung mehr als zehn Konsumenten namentlich und mit Wohnort bekannt gab. Auch die zweite Zeugin, eine ehemalige Freundin des Angeklagten, berichtete von den Drogengeschäften des 23-jährigen.

Aber immer noch leugnete der Angeklagte die Taten. Erst als ihn der Staatsanwalt darauf hinwies, dass er nur im Falle eines Geständnisses noch mit einer Bewährungsstrafe rechnen könne, gab der Angeklagte alles zu.

Das Gericht folgte in seinem Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der 23-Jährige muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und an vier Sitzungen der Drogenberatung teilnehmen.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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