Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer wird 70 Jahre

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Feiert heute: Hans-Joachim Bauer mit einer Skulptur von Prof. Dr. Ewald Rumpf, die Dr. Bauer als Zentaur darstellt.

Mardorf. „Ich bin hier von meinem Traum umgeben“, sagt Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer und schaut sich um in seinem Atelier, einem ehemaligen Tanzsaal in Mardorf. Zufrieden ist er, an seinem heutigen 70. Geburtstag.

Seinen Traum, kreativ tätig zu sein, habe er sich verwirklicht. Anfang der 90er Jahre veranstaltete der Künstler die ersten Performances, im Jahre 1994 zeigte er beim Kultursommer Nordhessen sein erstes Landart-Werk „Gott“, eine Feldplastik aus Sonnenblumen. In seinem Atelier haben sich Fotografien und Modelle seiner Landart-Werke und Skulpturen, Erinnerungsstücke von Performances und Geschenke von Freunden aus zwei Jahrzehnten gesammelt.

Der Wunsch, kreativ zu arbeiten, sei bei ihm während eines Besuches der damals fünften documenta im Jahr 1972 erwacht, erinnerte sich der gebürtige Homberger. Damals habe er die Kassler Kunstausstellung aber mit dem Blick des Ökonomen betrachtet.

„Jeder Mensch ist ein Künstler.“

Joseph Beuys

Als gelernter Industriekaufmann, studierter Betriebswirtschaftler und Angestellter der Firma Texaco sei er mehr vom organisatorischen Aufwand der documenta als von den Kunstwerken beeindruckt gewesen. „Ich war damals kaufmännisch orientiert und habe einen Schlips getragen – was mir heute seltsam vorkommt“, sagt er und lächelt. Doch die Berührung mit Josef Beuys viel zitierte These der „Sozialen Plastik“ – „Jeder Mensch ist ein Künstler“ – gab ihm den Anstoß, selbst etwas Kreatives zu schaffen.

Erst einmal sei er aber für einige Zeit abgetaucht und mit der Familie nach Spanien gezogen, erzählte er. 1974 kehrte die Familie zurück nach Deutschland und Bauer begann als Lehrer an einer kaufmännischen Schule in Braunschweig zu arbeiten. Außerdem nahm er das Studium der Geschichte, Politik und Philosophie auf. „Ich bin jemand, der immer mindestens zwei Sachen gleichzeitig machen muss.“ Sechs Jahre später zog die Familie nach Homberg. „Ich hatte immer den Wunsch, nach Homberg zurückzukehren“, sagte er.

Er unterrichtete in Ziegenhain und schloss sein Studium in Kassel mit einer Doktorarbeit über den Einfluss nationaler Geschichtsbilder auf die lokale Geschichtsschreibung in Homberg ab.

70 Landart-Werke gestaltete Dr. Bauer, das letzte „Die Kraft des Wollens“ in Kuba (wir berichteten). In seinen Werken setzt sich der Künstler mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander und trifft damit oft den Nerv der Zeit.

So formte er anlässlich der BSE-Krise zwei Menschen aus Landschaft, deren Gehirne von weidenden Kühen gefressen wurden, in Chile zog er einen Eisberg, der in einem See schwamm, zurück zum Gletscher. „Es geht darum, soziale und politische Prozesse darzustellen“, erklärte er.

Sein spannendstes, größtes und teuerstes Werk war die „Titanic“. Ein Landartprojekt zum Hessentag 2008, bei dem das ganze Dorf mitgearbeitet habe.

Um sich für die Unterstützung und Mithilfe zu bedanken, hat er alle Mardorfer zu seinem Geburtstag eingeladen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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