Leckringhausen feiert 750-jähriges Bestehen - Ort war Hugenotten-Heimat

Eine der schönsten Kirchen im Wolfhager Land: Das kleine Gotteshaus am Ende der Dorfstraße in Leckringhausen wurde im Jahr 1774 eingeweiht. Das Dorf feiert im September seinen 750. Geburtstag. Foto: Michl

Leckringhausen. Das Hugenottendorf Leckringhausen blickt in diesem Jahr auf eine bewegte 750-jährige Geschichte zurück. Zwei Tage lang, am Samstag, 6. und Sonntag, 7. September, wollen die 46 Einwohner im ganzen Ort mit Besuchern und Gästen feiern (siehe Programm unten).

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Lekerinchusen im Jahr 1264 als Meierhof, ein landwirtschaftliches Hofgut, des 1131 gegründeten Klosters und Augustiner-Chorfrauenstifts Aroldessen im heutigen Bad Arolsen. Im Jahr 1354 pachtete die Stadt Wolfhagen die Meierei vom Kloster Aroldessen, 61 Jahre später (1415) kaufte Wolfhagen dem Kloster den Hof ab. Bekannt ist, dass dort um 1540 noch acht Pächter je eine Hufe bewirtschafteten. Das frühere Flächenmaß Hufe war regional unterschiedlich, betrug zwischen 30 und 80 Morgen, also 7,5 bis 20 Hektar. In der Gegend, zu der Wolfhagen zählt, galt vermutlich die fränkische Hufe, sie entsprach 24 Hektar.

Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) gingen an Leckringhausen nicht spurlos vorüber. Der Ort wurde durch marodierende Truppen dem Erdboden gleichgemacht und fiel wüst. Erst gut 50 Jahre nach diesem Krieg erwachte Leckringhausen wieder zu neuen Leben.

Landgraf Karl von Hessen-Kassel (1654 bis 1730) holte protestantische Hugenotten, die in Frankreich wegen ihres Glaubens verfolgt worden waren, in sein Land. Er gewährte den Flüchtlingen nicht nur Asyl, sondern sicherte ihnen wirtschaftliche Unterstützung, Glaubensfreiheit und den Gebrauch ihrer eigenen Sprache in der Kirche und der Verwaltung zu.

In der Wüstung Leckringhausen fanden 14 Familien, davon elf Bauern, zwei Schuhmacher und ein Zimmermann eine neue Heimat. 1701 hatten sie ihre Häuser nach fränkischer Bauart errichtet und bewirtschafteten die ihnen zugewiesenen Ländereien. Fünf Jahre später gab es eine Schule. Im gleichen Jahr wurde mit dem Bau einer Kirche begonnen, die jedoch nicht fertig wurde. Baubeginn des heutigen Gotteshauses, in dem bis um 1830 die Gottesdienste in französischer Sprache gehalten wurden, war 1757. Am 31. Juli 1774 wurde die Kirche von Pfarrer Jean Bernhardi geweiht.

Heute erinnert nur noch eine französische Inschrift auf der Kirchenglocke an die einstige Heimat der Hugenotten. 1923 endete die Pfarrstelle in Leckringhausen. 1952 wurde die Schule geschlossen.

25 Strumpfwirkstühle

Eine Aufstellung aus dem Jahr 1727 dokumentiert, dass in Leckringhausen 25 Strumpfwirkstühle standen, obwohl keiner der damaligen Bewohner diesen Beruf erlernt hatte. Bekannt ist jedoch, dass der Schlosser Pierre Richard Strumpfwirkstühle baute. Deshalb ist anzunehmen, dass davon die Anregung ausging, dieses Textilhandwerk in Leckringhausen als Hauptgewerbe bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zu betreiben. Die 750-jährige Geschichte des Dorfes und vor allem die der Hugenotten findet man heute im Museum im ehemaligen Schulhaus. (zih)

Das Festprogramm:

Das Programm im Überblick: Samstag, 6. September, 18.30 Uhr: Auftaktveranstaltung mit Grillabend und Musik mit DJ Christoph.

Sonntag, 7. September, Beginn 11 Uhr: Bogenschießen mit einem historischen Bogenbauer, Männerkarussell, Ponyreiten und Riesenkettcarfahren, Imkerstand, Ausstellung von Hessen-Forst, Weinstand, Hugenottenspeisekarte und Köstlichkeiten vom Grill im Restaurant Mulot (Kuhaupt), Kartoffelspezialitäten bei Weinreichs, Kaffee und Kuchen in Neuhofs Scheune. 14 Uhr: Gedenkgottesdienst in der Hugenottenkirche, 15 Uhr: Auftritt der Musikklasse 6G1 der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule. (zih)

Quelle: HNA

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