Stadtmarketing im Kreuzfeuer

Leerstehende Häuser in Homberger Altstadt: Hausbesitzer sind sauer

Wünschen sich mehr Informationen: Dr. Klaus und Lisa Lambrecht kritisieren die mangelnde Kommunikation von Stadtmarketing und Stadtverwaltung. Foto: Yüce

Homberg. „Es mangelt an der Kommunikation“, sagt Dr. Klaus Lambrecht. Der Homberger ist sauer über den Umgang des Stadtmarketings mit den Besitzern leerstehender Häuser in der Altstadt.

Auslöser für den Unmut von Klaus Lambrecht und seiner Mutter Lisa war ein HNA-Artikel, in dem der Geschäftsführer des Stadtmarketings, Dr. Dirk Richhardt, beklagte, dass die Gründe für den Leerstand in der Innenstadt meist die hohen Mietforderungen und der Sanierungsrückstau in den Fachwerkgebäuden seien. Zudem hatte der Stadtmarketing-Chef betont, dass er mit den Gebäudeeigentümern Gespräche geführt habe.

„Mit uns hat Dr. Richhardt nicht über den Leerstand gesprochen“, sagen die Lambrechts, die ein Haus in der Altstadt besitzen. „Für unser Gebäude, ein Haus mit drei Etagen mit jeweils 70 Quadratmetern Fläche, wollen wir insgesamt 500 Euro Miete“, erklärt Lisa Lambrecht. Das sei doch nicht überzogen. Außerdem sei das Haus in einem guten Zustand, da sie zuletzt zum Hessentag in das Gebäude investiert hätten. Trotz des guten Zustands und der geringen Miete gebe es keine Nachfrage für die Geschäftsräume. Seit einem Jahr stehen diese nun leer.

Vielmehr sei es so, dass seit dem Beginn der Diskussionen über das geplante Einkaufszentrum „Markplatz Ost“ die Altstadt in eine Art Starre gefallen sei. „Kaum jemand will ein Geschäft mieten, weil er nicht weiß, was dort entsteht“, sagt Lambrecht. Diese lange Diskussion schade der Altstadt. Es sei doch sinnvoller, erst mal die Altstadt zu beleben, bevor man neue Angebote entwickelt, sagt er.

Dafür wäre ein Leerstandskataster unerlässlich, doch ein solches führten weder Stadt noch Stadtmarketing. „Man muss doch wissen, wer welche Flächen mit welchem Potenzial anbietet“, sagt Dr. Lambrecht. Er halte es für problematisch, wie die Stadtentwicklung betrieben werde. Es sei nicht zeitgemäß, abends durch die Stadt zu gehen und anhand der beleuchteten Häuser festzulegen, wo es Leerstände gibt.

Auch vermissen die Lambrechts Informationen. So etwa über das Förderprogramm „Lokale Ökonomie“. Verärgert sind sie über die Äußerung Richhardts, wer das Programm nicht wahrnehme, sei ein Depp – geknüpft an die Aufforderung, sich zu bewerben. Über das Programm seien längst nicht alle Hausbesitzer informiert worden, und als die Lambrechts sich selbst schlaumachen wollten, sei ihnen gesagt worden, dass der Fördertopf bereits leer sei. „Das ist doch viel Gerede um nichts.“ Das Stadtmarketing komme seiner Aufgabe als Dienstleister nicht nach. Und auch die Stadtverwaltung sowie die Fraktionen antworteten nicht auf Schreiben, sagt Lambrecht. Das wisse er aus eigener Erfahrung.

Ihn erschüttere der Umgang miteinander und dass bei den Planungen zu wenig auf die Wohnqualität in der Altstadt geachtet werde. Die Bürger würden nicht gefragt, was sie wollen. „Es wird nicht miteinander geredet, das sorgt für Misstrauen.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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