Rätselhafte Anzeige auf dem Gerät

Lehrerin befürchtet Lauschangriff auf Anrufbeantworter

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Plötzlich lief der Anrufbeantworter an: Dr. Dorothee Stiewe mit dem Fax-Telefongerät, das ihrer Vermutung nach von außen abgehört wurde.

Fritzlar. War es ein Lauschangriff? Eine Lehrerin aus Fritzlar befürchtet, dass ihr Anrufbeantworter abgehört wird. Bei den verantwortlichen Stellen will man an so etwas allerdings nicht glauben.

Sie saß friedlich beim Fernsehen mit der Nachbarin, als der Lauschangriff - oder was auch immer es war - begann. Dr. Dorothee Stiewe hatte das Mobilteil ihres Telefons dabei und bemerkte, dass sich im Erdgeschoss etwas tat. Die Lehrerin im Ruhestand lief zu ihrem Fax-Telefongerät und hörte, wie die Nachrichten des Anrufbeantworters abgespielt wurden.

 "Fernabfrage", zeigte das Gerät an. Von irgendwoher wurden die Nachrichten an Stiewe abgehört. So jedenfalls erzählt die 75-Jährige die Geschichte. An einen technischen Defekt glaubt sie nicht. Sie wandte sich per E-Mail an alle möglichen Stellen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Erfolglos. Stiewe änderte den Abfragecode, doch ein paar Wochen später, so erzählt sie, lief das Gerät wieder an.

Geht es um die Politik? Stiewe fragt sich nun, wer hinter der Sache stecken könnte. Hat es mit ihrer politischen Einstellung zu tun? Die Rentnerin war in der Friedensbewegung aktiv und geht zu Ostermärschen. Geht es um die Kinder, denen sie Nachhilfe gibt? Wird ihr von einer Behörde nicht geglaubt, dass sie ihre Rente aufbessern muss?

"Theoretisch geht das nur, wenn jemand den Code eingibt", sagte ein Techniker der Herstellerfirma Sagem auf HNA-Anfrage. Es sei ihm kein Fall bekannt, in dem das Gerät einfach loslaufe. Jeder, der den Code kennt oder errät, könne per Tastentelefon oder mit einem Spezialgerät die Nachrichten abhören. Man solle den werkseitigen Code ändern, lautet sein Tipp. Im Zweifel helfe nur, die Nachrichten umgehend zu löschen, sagt der Techniker.

Beim hessischen Datenschutzbeauftragten sind Fälle dieser Art nicht bekannt, sagte Pressesprecherin Ulrike Müller auf Anfrage der HNA. Die Polizei im Schwalm-Eder-Kreis hat ebenfalls keine derartigen Meldungen vorliegen, wie Sprecher Reinhard Giesa erläuterte. Behörde winkte ab.

Auch der hessische Verfassungsschutz winkt ab. "Wir bedienen uns solcher Mittel nicht", sagte Pressesprecher Martin Heinemann auf Anfrage der HNA. Heinemann erklärte, die Verfassungsschützer könnten keinesfalls willkürlich Personen abhören. Die Behörde arbeite streng nach Recht und Gesetz, und das werde auch genau überwacht, unter anderem durch parlamentarische Kommissionen.

Gerade Abhöraktionen seien mit hohen juristischen Hürden verknüpft, erläuterte Heinemann und wies darauf hin, dass laut Gesetz Personen auf Antrag erfahren könnten, was der Verfassungsschutz über sie weiß. Dorothee Stiewe weiß immer noch nicht mehr und hofft, dass das Gerät von nun an schweigt.

Quelle: HNA

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