Domchor St. Peter gestaltete mit Solisten und Orchester ein Konzert zur Karwoche

Von Leiden und Hoffnung

Botschaft vom Leiden und dem Opfertod Jesu Christi: Der Domchor St. Peter und das siebenköpfige Orchester unter der Leitung von Gunther Hehenkamp, Domorganist und Chorleiter, gestaltete die geistliche Abendmusik zum Beginn der Karwoche. Foto: Auerbach

Fritzlar. Es waren verhaltene Klänge und doch voller musikalischer Intensität, die am Samstagabend den St.-Petri-Dom in Fritzlar erfüllten. Zum Eintritt in die Karwoche verkündeten der Domchor St. Peter, drei Gesangssolisten und das siebenköpfige Orchester in nachdenklicher, musikalischer Sprache die Botschaft vom Leiden und dem Opfertod Jesu Christi.

Auf die Leidenszeit deuten in der Kirche auch die mit violetten Tüchern verhängten Kreuze hin. Gunther Hehenkamp, Domorganist und Chorleiter, stellte Werke aus Barock und Romantik zusammen, die zu Reflexion und Meditation einluden.

Unter seiner souveränen Leitung entstand in Gesangswerken von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Josef Gabriel Rheinberger ein feines Zusammenspiel zwischen dem Chor, den Solisten und den Instrumentalisten. Einen schwermütigen Dialog führten die Streicher und die Oboe im Vorspiel der Bach-Kantate „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu Dir“ aus dem Jahr 1707. Das Motiv und die Stimmung übernahm der Chor im ersten Satz.

Doch schon kurz darauf wechselte das Tempo und die Sänger flehten erregt „Herr, höre meine Stimme“. Charaktervoll erklang die Bassstimme von Christoph Krieg im Wechselgesang mit Anna Hahns strahlkräftigem Sopran, der Oboe und dem Basso continuo im zweiten Satz.

Den vierten Satz mit seinen steten Textwiederholungen gestaltete Theodore Browne mit hellem Tenor und unterstützt vom Chor, dem Cello und von der Orgel.

Zu Beginn des Schlusssatzes rief der Chor drei Mal das Wort Israel, bevor er nach Erlösung der Sünden bat. Ausdrucksstark und gleichzeitig empfindsam sang Anna Hahn in der Sopran-Arie „Blute nur, Du liebes Herz“ aus der Bach‘schen Matthäuspassion über den Verrat des Judas Ischariot. Mit dem Schlusschor „Ihr Töchter Sion, weint über euch selbst“ aus dem unvollendeten Oratorium Christus von Felix Mendelssohn Bartholdy aus dem Jahr 1847 wechselte der Musikstil aus dem Barock zur Romantik.

„Ein eindrucksvolles Hörerlebnis.“

Michael Auerbach

Die dunkle Stimmung hellte dann das Oboenkonzert Nr. 12, C-Dur, op. 7 von Tomaso Giovanni Albinoni (um 1715) wieder auf. Festlich und beschwingt erklangen die Ecksätze. Das Adagio floss ruhig dahin. Seelenvoll ließ Oboistin Larissa Niederquell ihr Instrument singen.

Mit Rheinbergers „Stabat mater“ op. 138 von 1864 stellte der Dirigent die Sänger wieder in den Mittelpunkt. Gleich in den ersten Takten zeichneten die im düsteren Ausdruck des Unisono das ergreifende Bild der schmerzerfüllten Gottesmutter, die unter dem Kreuz bei ihrem sterbenden Sohn Jesus steht. Den zweiten Satz prägte die bewegliche Sopranstimme von Anna Hahn.

Eine neue, reizvolle Klangwelt eröffnete aus dem Martinschor heraus das wunderbar warme Cello- und Orgelspiel von Anja Schmidt und Gunther Hehenkamp. Die beiden Musiker kredenzten die „Elegie“ für Violoncello und Orgel von Rheinberger.

Und mit dem Schlussstück des Konzerts, dem Bach-Choral „Wenn ich einmal soll scheiden“, malten die Sänger im A-Cappella-Gesang noch ein berührendes Klangbild und boten die Hoffnung auf Erlösung durch den Tod Christi. Sieben verschiedenartige Werke und deren wechselnde Zusammensetzung erforderten von allen Beteiligten viel Feingefühl, Konzentration und Kondition. In der Abendmusik gelang ihnen ein eindrucksvolles Hörerlebnis.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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