Das Haens’che Weiss Ensemble servierte am Samstag „Sinti-Jazz“ vom Feinsten

Leidenschaft, die ins Herz trifft

Virtous: von links Micky Bamberger, Valy Mayer und Haens’che Weiss brillierten am Samstagabend in der Hospitalskapelle. Foto: Grebe

Treysa. Eine Gitarre, ein Kontrabass und ein Flügel - und schon erfüllten lässiger Swing, feuriger Jazz, gemixt mit einer Prise Folklore, und magisch-verträumte Poesie die Hospitalskapelle in Treysa. So geschehen am Samstagabend mit dem Haens’che Weiss Ensemble vor vollem Haus. Die drei haben sich dem „Sinti-Jazz“ in der Tradition von Django Reinhardt verschrieben, der Folklore mit Jazz und Swing kombinierte.

Der Kontrabass (Vali Mayer) gab groovend das Gerüst vor, die Gitarre (Haens’che Weiss) setzte mit schrammelnden Akkorden ein, das Klavier (Micky Bamberger) nahm gleich volle Fahrt auf und legte die Messlatte von Anfang an auf ein künstlerisches Niveau, das den ganzen Abend über von allen gehalten wurde. Dann strich der Kontrabassist die Saiten und sang dazu. Dass er die zungenbrecherische Kunst des Scat-Gesanges und der Mouthpercussion meisterhaft beherrschte, erlebte das Publikum in diesen zweieinhalb Stunden immer wieder aufs Neue. Inspiriert von Weiss’ Gitarrenthema, entsprangen ihm orientalisch anmutende Weisen, dazu ein Trommelwirbel auf das Holz seines Instruments. Da hatten die Zuhörer schon begeistert zum Applaus angesetzt, doch hatten sie ihre Rechnung ohne die Musiker gemacht. Denn für die war noch lange nicht Schluss.

Wie perfekt die drei harmonierten, war verblüffend. Da emanzipierten sich an einer Stelle plötzlich Kontrabass und Gitarre vom Klavier, wurden selbstbewusster und fingen ein kleines Frage- und Antwort-Spiel an. Mayer warf der Gitarre ein kämpferisches Thema hin, das Weiss mit seiner Gitarre auffing und in einen friedlichen Gegenpol verwandelte. Bamberger hielt sich brav zurück und streute hin und wieder ein paar Töne ein. Dass die drei wahre Improvisationskünstler sind, zeigten sie auch an dem Cole Porter-Standard „What is this thing called love“, dem Weiss „Ein Männlein steht im Walde“ vorausschickte. „In Moll“, rief er seinen Partnern zu.

Virtuos krabbelten Bambergers Finger über die Klaviatur, hämmerten vollgriffige Akkorde in den Konzertraum und nahmen die 88 Tasten voll in Anspruch. Dazu schnarrende Saiten – Mayer ging nicht gerade zimperlich mit seiner Bassgeige um. „Wir haben das Stück früher noch viel schneller gespielt“, schmunzelte er. Kaum zu glauben, denn das Tempo war so schon schwindelerregend.

Ihr Gypsy-Jazz war nicht nur technisch absolut oberste Schublade, sondern mit einer großen Leidenschaft dargeboten, die direkt ins Herz des Publikums traf. So auch bei „Oche chornya“. Auch der größte Jazzmuffel konnte sich der kraftvollen Interpretation dieses Folklore-Klassikers nicht entreißen. Immer übermütiger wurde ihr Spiel, fast beängstigend beschleunigten sie das Tempo, um im nächsten Augenblick noch einmal abzubremsen, und dann zu einer fulminanten Punktlandung anzusetzen. Dazwischen immer wieder kleine musikalische Wellness-Oasen, in denen Weiss die Ruhe mit einer unglaublichen musikalischen Reife und Coolness zelebrierte, Bamberger den Kopf neigte und den anderen gebannt lauschte und Mayer seinem Kontrabass ein behagliches Vibrato entlockte.

Von Dorothea Grebe

Quelle: HNA

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