Zauberhafte Leidenschaft

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Brillantes Duo: Die beiden Schwestern Danae (links) und Kiveli Dörken zeigten großartige zwei- und vierhändige Tastenkunst im historischen Rathaussaal Fritzlar

Fritzlar. In zweierlei Hinsicht machten die beiden renommierten Pianistinnen Danae und Kiveli Dörken den Klavierabend im gut besetzten, historischen Rathaussaal in Fritzlar zu einem Erlebnis.

Zum einen verbindet die beiden Schwestern seit langem die Liebe zur Klaviermusik. Beste Voraussetzung, um als Solist und im Duo aus dem Vollen schöpfen zu können.

Zum anderen faszinierten sie das Publikum mit großartiger zwei- und vierhändiger Tastenkunst. Zur Eröffnung fand sich das Duo am Kawai-Flügel zusammen, um mit vier Händen das energiereiche Klanggeschehen von Franz Schuberts viersätziger Sonate C-Dur, D 812 "Grand Duo" von 1824 zu entfalten.

 Schuberts Musik stellt hohe Ansprüche, und er soll einmal gesagt haben: "Die Musik ist nicht lustig." Mit der Raffinesse meisterlichen Klavierspiels und einer akzentuierten Interpretation erarbeiteten die Tastenkünstlerinnen die lyrischen Momente und die wuchtigen Ausbrüche.

Im temperamentvollen und vollkommen übereinstimmenden vierhändigen Spiel wurden die schwankenden Stimmungen des Werkes deutlich. Und die tauchten die Zuhörer gleich zu Beginn des Konzerts in ein Wechselbad der Gefühle. Als "Sonata quasi una fantasia" bezeichnete Ludwig van Beethoven seine Klaviersonate cis-Moll, Nr. 2, op. 27. Populär ist das Werk von 1801 ist unter dem Namen "Mondscheinsonate". Solistin Danae Dörken machte empfindsam und gleichzeitig ausdrucksstark den Ideenreichtum des genialen Großmeisters hörbar.

Zauberhaft und voller subtiler Klangpoesie die leisen Töne des Adagios. Tempo- und Artikulationssteigerung im Allegretto. Und schließlich die fulminante Leidenschaft im Presto agitato, in dem sich jede Romantik verflüchtigt. Dann folgte der Spielerwechsel am Klavier.

Schwester Kiveli präsentierte sechs, der insgesamt 24 Präludien des op. 28 von Frédéric Chopin aus der Zeit 1836 bis 1839. Was die Tastenkünstlerin in herrlichem, nuanciertem Spiel darbot, war ein Kaleidoskop der Gefühle und der Klangvielfalt. In Carl Czernys Fantasie und Variationen über "Die Puritaner" von Bellini aus dem Jahr 1835 waren die Pianistinnen erneut vierhändig präsent. Im Schlussstück vermittelte das Duo noch einmal stimmungsvolle Klangeindrücke.

Unter ihren Händen entstanden volksliedhafte Melodien und lustige Triller, Abschnitte mit virtuos perlenden Läufen und kraftvoll donnernde Passagen. Ein Konzertabend voller Schönheit, klanglicher Intensität und mit vielen Stimmungswechseln. Dem großen Applaus folgten zwei Zugaben. Eine Veranstaltung des Kulturvereins und der Stadt Fritzlar.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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