Sie leitet seit 40 Jahren die Malschule im Reutern-Haus

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Betreut seit 1992 die Willingshäuser Malschüler: Künstlerin Ulrike Schulte aus Bremen kommt regelmäßig zum Unterrichten in die Malerkolonie.

Willingshausen. Es sind Vorbilder wie Bantzer und Thielmann, an denen sich die Schüler der Willingshäuser Malschule seit 40 Jahren orientieren: Einige imitieren deren Pinselstriche, andere verfremden die Ideen der Maler, indem sie mutig andere Farben verwenden oder das Gesehene abstrahieren.

So vielfältig wie die Kunst sind die Menschen, die seit vier Jahrzehnten zum Erlernen der Techniken in die einstige Malerkolonie kommen.

Seit mehr als 20 Jahren werden sie von der Künstlerin Ulrike Schulte begleitet. Die Bremerin übernahm die Kurse 1992 von den Gründern der Malschule von Günther und Marianne Heinemann. Heinemann war es, der Anfang der 1970er-Jahre die Idee etablierte, Laien das Zeichnen und Malen beizubringen. "Nachdem er überwiegend mit Aufträgen wie Kunst am Bau sein Geld verdient hatte und die zu jener Zeit knapper wurden, entschied er sich für das Unterrichten", erzählt Schulte. "Es funktionierte, ja boomte sogar". War Heinemann einer der ersten, der die Plein-Air-Malerei - Malen im Freien - anbot.

Ein Domizil hatten die Schüler noch nicht. Mit Leinwand und Palette zogen sie durchs Dorf. 1989 wurde die oberste Etage des Gerhardt-von-Reutern-Hauses in ein Atelier umgebaut. Manfred Blut, bei dem Ulrike Schulte in Kassel Kunst studiert hatte, schlug seiner Absolventin vor, die Kurse zu übernehmen. Heinemanns waren zu alt geworden, um noch weiter zu unterrichten. Den Entschluss hat die Bremerin nicht bereut: Gern kommt Ulrike Schulte nach Willingshausen. "Das schwerste war, sich auf die vielen unterschiedlichen Leute einzustellen", erzählt sie.

Im Sinne des Ehepaars Heinemann lenkte sie die Malschule weiter, nach und nach entwickelte sie ein Konzept. In über 20 Jahren hat sie tausende Schüler betreut: Und gelernt, wie andere Menschen Dinge sehen, wie sie sich einlassen muss und was sie ihren Schülern zumuten kann. "Meine erste Aufgabe war am Anfang, den großen Kundenstamm nicht zu vergraulen", sagt sie.

Das ist Ulrike Schulte gelungen. Viele Schüler kämen seit 20, 30, einige sogar seit 40 Jahren, erklärt sie. Während in den ersten 30 Jahren der Schule überwiegend im Freien gearbeitet wurde, ist Schulte mehr und mehr zu Atelierkursen übergegangen. Die Schüler kommen aus ganz Deutschland und buchen meist ein- bis zweiwöchige Kurse. Teilnehmer sind zwischen neun und 90 Jahren.

Was sie eint, ist die Freude, etwas Eigenes zu schaffen. "Ich habe die ganze Palette an Schülern, von der Grundschule bis zu Akademie", sagt Schulte. Für Willingshausen sei die Malschule ein wichtiger Standortfaktor:

"Heute gibt es durch die Kunsthalle viele Ausstellungen und das Stipendium - aber früher waren die Schauen der Malschüler einer der wenigen kulturelle Höhepunkt im Ort."

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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