Bilanz nach einem Jahr Telefon-Reanimation: Auch ein Säugling wiederbelebt

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So geht’s: Die Reanimation per telefonischer Anleitung im Schwalm-Eder-Kreis hat sich bewährt. Wie das funktionieren kann, zeigte Leitstellen-Mitarbeiter Michael West an einer Puppe. Archivfoto: Rohde

Schwalm-Eder. Eine schnelle Reanimation kann bei medizinischen Notfällen Menschenleben retten. Seit gut einem Jahr gibt es deshalb im Schwalm-Eder-Kreis die so genannte Telefon-Reanimation.

Mitarbeiter der Leitstelle Schwalm-Eder leiten Angehörige oder andere Ersthelfer bei der Wiederbelebung an, bis der Notarzt eintrifft.

Die Bilanz sei ausgesprochen erfreulich, so der stellvertretende Kreisbrandinspektor Robert Pfalzgraf. Bei 21 Menschen habe die Leitstelle die Telefon-Reanimation eingesetzt, sieben Patienten seien wieder zu sich gekommen, darunter auch ein Säugling.

Der behandelnde Arzt des Krankenhauses habe sich später gemeldet und sich für die schnelle Hilfe bedankt. Das Kind wäre sonst nach Einschätzung des Mediziners gestorben. Alle zwölf Mitarbeiter der Leitstelle sind geschult worden. Sie gehen immer nach demselben Muster vor, wenn ein Herz-Kreislauf-Stillstand gemeldet wird.

Die Herzdruck-Massage ist nach heutigen Erkenntnissen die wichtigste Sofortmaßnahme. Wegen mangelnder Blutversorgung im Gehirn kommt es schon nach zehn Minuten zu irreversiblen Schäden am Gehirn. Der in der Lunge vorhandene Sauerstoff würde ausreichen, um das zu verhindern.

Alle Anrufer hätten sich auf die Telefon-Reanimation eingelassen. „Und sie waren sehr dankbar für die Anleitung, weil sie sonst wohl nichts unternommen hätten“, berichtet Pfalzgraf. Auch die Mitarbeiter der Leitstelle seien positiv überrascht gewesen über die Kooperationsbereitschaft der Anrufer.

Man müsse übrigens keine Bedenken haben, dass sich der Zustand des Patienten verschlimmern könnte. „In keinem Fall ist es zu einer Schädigung gekommen“, sagt Pfalzgraf. In einigen Fällen seien die Patienten aber offenbar schon tot gewesen. Da könne auch eine Reanimation nicht mehr helfen.

Von Heinz Rohde

Hintergrund: Anleitung für die Herz-Massage

Bei einem Herz-KreislaufStillstand sollte versucht werden, die Blutversorgung aller Zellen und Gefäße schnell wieder in Gang zu bringen. Nach einem genauen Schema geben die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle daher eine Anleitung für die Herz-Druck-Massage: Der Patient sollte auf dem Rücken liegen. Der Helfer legt einen Handballen auf den Brustkorb des Patienten (zwischen die Brustwarzen) und die andere Hand auf die erste.

Dann sollte der Helfer schnell und kräftig drücken, möglichst bis der Rettungswagen oder der Notarzt eintreffen. Ein Telefon mit Freisprechfunktion ist hilfreich, um in Kontakt mit der Leiststelle bleiben zu können. (hro)

Quelle: HNA

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