Bücherfest: Literatur an ungewöhnlichen Plätzen

Gedämpftes Licht in der Creativschneiderei: Wolf-Arne Pillardy hat Tschechows Kriminalerzählung vor sich.

Wolfhagen. Eine Stadt wurde zum Auditorium. Am Freitagabend fiel mit dem Bücherfest der Startschuss für die Entdeckertage in Wolfhagen. „Lesen an ungewöhnlichen Orten“ war der Titel der Veranstaltung. An zwölf verschiedenen Orten lasen Personen des öffentlichen Lebens aus ihren Lieblingsbüchern vor.

Kurzclip: Friseur-Kundin Anne Döhne über das Buchfest

So zum Beispiel auch im Friseursalon Filmschnitt. Wilfried Hoppe aus Zierenberg saß auf einem roten Sessel und ließ sich die Haare schneiden. Nichts besonderes, nur etwas kürzer sollte es werden. Während seine graue Mähne auf den Fußboden rieselte, lauschte der 69-Jährige einer Geschichte. Es ging um Menschenfresser. Bürgermeister Reinhard Schaake hatte am Eingang des Salons Platz genommen und trug aus den Aufzeichnungen des Wolfhager Entdeckers Hans Staden vor.

Viele Zuhörer hatte HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden. Etwa 60 Besucher ließen sich von ihm unter Engelhards Torbogen mitnehmen in das Szenario um eine Braune Armee Fraktion – Autor Seidenfaden las aus seinem Buch „Tristan – der Name des Bösen“. Als Einstimmung gab es historische Aufnahmen von der DVD „Min ahles Kassel“, die die Fuldastadt vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zeigt.

Die meisten Lesungen waren allerdings nicht gerade gut besucht. Diejenigen, die dort waren, reagierten in der Regel ähnlich wie Wilfried Hoppe im Friseursalon Filmschnitt. „Das war Klasse“, sagte der Rentner nach seinem Haarschnitt. „So etwas könnte es ruhig öfter geben.“

Auch in der Creativschneiderei Kemper wurde gelesen. Angenehm kühl war es dort, trotzdem wedelte eine Zuhörerin mit ihrem Fächer, als sie der Stimme von Wolf-Arne Pillardy lauschte. Er hatte „Das Schwedische Zündholz“ von Anton Tschechow vor sich. Nur das warme Licht einer Stehlampe fiel auf das Buch, als der langjährige Schulleiter der Wilhelm-Filchner-Schule daraus vorlas.

Beim Brotkauf gelauscht

Eigentlich sind „Die Paulis“ ein Kinderbuch, aber sie sorgten auch bei den Erwachsenen für Heiterkeit. HNA-Redakteurin Bea Ricken las im Café Kaethi vor. Selbst Kunden, die nur ein Brot kaufen wollten, blieben stehen und lauschten den Geschichten um die Chaos-Familie. Vor allem als sich Tante Heidrun durch Hypnose in Pipi Langstrumpf verwandelte, hätte so mancher die kurze Lesung gern verlängert.

Quelle: HNA

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