Ursulinenoberin: Der Geist des Ordens lebt aber in der Fritzlarer Schule weiter

Die Letzten sind über 80

Zu Gast in Fritzlar: Schwester Ingeborg Wirz, Oberin der Ursulinen. Foto: Dellit

Fritzlar. Im Fritzlarer Ursulinenkloster leben zurzeit zwei Schwestern. Beide sind über 80 Jahre alt. Mit ihnen wird irgendwann die Tradition des Klosters in der Domstadt enden. Davon geht Schwester Ingeborg Wirz, Oberin aller deutschsprachigen Ursulinen, aus.

Schwester Ingeborg war gestern zu Gast beim Fest der Ursulinenschule, das zum 475-jährigen Bestehen des Ordens ausgerichtet wurde. Die Oberin sagte, dass die 24 Klöster in Deutschland unabhängig voneinander arbeiteten. Daher könne sie auch nicht Schwestern nach Fritzlar abordnen.

Die Oberin betonte, dass sich die beiden Ursulinen im Klostergebäude nach wie vor sehr wohlfühlten. „Die Schwestern sind dort nicht nur zuhause, sie werden auch von den Einwohnern gehegt und gepflegt.“ Als Körperschaft des öffentlichen Rechts werde der Konvent aber rechtlich nach dem Tod des letzten Mitglieds noch 99 Jahre bestehen. Dennoch weise der Geist der Ursulinen auch in Fritzlar in die Zukunft, ist die Oberin überzeugt, und zwar in Gestalt der Ursulinenschule. Schwester Ingeborg zeigte sich beeindruckt vom vielfältigen Schulleben (siehe Bild oben). „Schulen brauchen eine Identität“, sagte sie und zitierte Gustav Mahler: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.“

Ein lebendiger Geist werde in den Ursulinenschulen weitergetragen, sagte die Ordensschwester. Entscheidend für den Charakter der Ordensschulen sei das Menschenbild: „Sie nehmen den ganzen Menschen in den Blick.“ So wolle eine Ursulinenschule ihre Schüler beispielsweise nicht nach den Anforderungen der Wirtschaft schulen, sondern den ganzen Menschen gezielt fördern und fordern.

Seminare mit Managern

Das heißt allerdings auch nicht, dass die Wirtschaft außen vor bleibt. So organisiert die Oberin Seminare, bei denen Manager von Firmen wie Coca-Cola, Otto Bock und Zeiss Ikon mit Ursulinenschülern über Führungsqualitäten und Sozialkompetenz sprechen.

Die Statistik zeige, dass die Ordensschulen nach wie vor gefragt seien, sagte die Oberin. Das bestätigt Jutta Ramisch, Schulleiterin der Fritzlarer Ursulinenschule. Ihre Schule hat zurzeit 1125 Schüler und ist damit ausgelastet, ein Rückgang ist nicht in Sicht. ARTIKEL OBEN RECHTS

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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