Jubiläum: Rosa und August Möller aus Fritzlar sind seit 60 Jahren ein Paar

Aus Liebe in den Norden

Fritzlar. August Möller hat die 80 schon lange überschritten, aber für ihn gibt es noch viele Ziele. Der noch fitte Fritzlarer Senior will es mit Johannes Heesters aufnehmen und ihn altersmäßig überholen.

Mit einem Augenzwinkern, aber durchaus ernst gemeint erzählt er das. Schließlich haben er und seine Frau Rosa (86) schon so einiges er- und überlebt. Morgen feiern sie mit ihrer Familie das Fest der Diamantenen Hochzeit.

Wer Rosa und August Möller im Gespräch erlebt, kann kaum glauben, dass sie dieses seltene Ehejubiläum erreicht haben. Das Alter hat ihre geistige Regsamkeit kaum beeinträchtigt, sie interessieren sich für die Dinge, die um sie herum geschehen.

„August ist ein Fritzlarer Urgestein, er wird unruhig, wenn er die Glocken vom Fritzlarer Dom nicht hört“, sagt seine Ehefrau. Deshalb zog es ihn wieder zurück nach Nordhessen, auch nachdem er als kranker Soldat im Jahr 1944 bei einem Sanatoriumsaufenthalt seine Rosa in Villingen im Schwarzwald kennengelernt hatte.

Hobby: Geflügelzucht

Aus Liebe zu ihrem August und wegen dessen Heimatverbundenheit folgte ihm Rosa nach Fritzlar, dort heirateten sie am 17. Oktober 1950.

Der Schmied August – er hatte seinen Beruf in Mandern gelernt – fand 1956 bei der Bundesbahn eine Beschäftigung. Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1982. Aus dieser Zeit stammt eines seiner Hobbies: Er baut Modelleisenbahnen. Sein großes Grundstück bietet ihm Raum für seine zweite Leidenschaft, die Geflügelzucht. „Alles, was fliegen konnte, habe ich gezüchtet, Tauben, Enten, Hühner“, erzählt August Möller. Mit seinem Bruder hatte er eine Zuchtgemeinschaft und ist seit 1960 Mitglied im Geflügelzuchtverein Fritzlar. Viele Pokale und Auszeichnungen schmücken seine Wohnung.

Als echter Fritzlarer war er selbstverständlich auch Messdiener. „Früher mussten wir alle Gebete in lateinischer Sprache auswendig lernen“, erinnert er sich. Da er als Junge in der Schule ab und zu über die Stränge gehauen habe, musste er öfters beim Bürgermeister zum Rapport.

Wenn er von seiner Ehefrau erzählt, gerät er ins Schwärmen. Ganz besonders gut hat sie sein Lieblingsgericht, eine Linsensuppe gekocht. „Am besten gefällt mir an meiner Frau die Geduld die sie mir gegenüber aufbringt, wenn ich ab und zu einmal ungerecht zu ihr bin“, sagt er etwas verschämt.

„Am besten gefällt mir an meiner Frau die Geduld, die sie mir gegenüber aufbringt.“

August Möller

Rosa Möller schätzt an ihrem August die Selbstverständlichkeit, mit der er den Haushalt versieht, weil ihre Möglichkeiten aufgrund von Osteoporose stark eingeschränkt sind.

Gerne erinnern sich beide an die jährlichen Urlaube im Schwarzwald, der Heimat Rosas. Aktuell ist August Möller mit der Politik nicht ganz zufrieden: „Frau Merkel sollte nicht so viel im Ausland herumreisen, sondern sich etwas mehr um unser Innenleben hier in Deutschland kümmern“, merkt er kritisch an.

Stolz auf Orchideen

Beide schöpfen aus ihrem Garten mit den vielen Blumen ihre Kraft. Von ihrem Fensterplatz im Sessel mit Blick auf die Fraumünsterstrasse beobachtet Rosa Möller das Tagesgeschehen in Fritzlar. Ihre Bewegungsfreiheit ist durch den Rollator doch eingeschränkt. Die Orchideen vor ihrem Fenster sind ihr ganzer Stolz. Geistig rege hält sie sich mit lesen und Rätsel lösen.

Wenn sie morgen zusammen mit ihren zwei Töchtern und sechs Enkelkindern ihr Ehejubiläum feiern, dann wünschen sie sich vor allem eins: Sie möchten weiter gesund bleiben.

Von Peter Büchling

Quelle: HNA

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