Liebe ist das Wichtigste

Seit 65 Jahren ein Herz und eine Seele: Anna und Andreas Felde feiern am 5. Januar 2014 in Bad Emstal ihre Eiserne Hochzeit. Foto: zih

Bad Emstal. Am heutigen Sonntag wird es vermutlich eng werden im Haus von Anna und Andreas Felde. Sechs Kinder, 13 Enkel und 24 Urenkel werden kommen, um den Eheleuten zu einem ganz besonderen Jubiläum zu gratulieren: der Eisernen Hochzeit.

Vor 65 Jahren, am 5. Januar 1949, heirateten sie in der sibirischen Ansiedlung Alteiski Krai Mamontova. Kennengelernt hatten sich Anna und Andreas Felde als Nachbarskinder in dem kleinen deutschsprachigen Ort Alexanderhöh in der damaligen Wolgadeutschen Republik auf dem Gebiet des heutigen Russlands. Dort wurde Andreas Felde, der nach der Schulzeit den Beruf des Schusters erlernte, am 12. August 1924 geboren. Seine spätere Frau Anna, geborene Maier, erblickte am 3. April 1928 das Licht der Welt.

Bis zum Jahr 1941 war für die deutschstämmigen Bewohner von Alexanderhöh die Welt noch in Ordnung. „Dann mussten wir alle für den von den Nationalsozialisten angezettelten Zweiten Weltkrieg bitter büßen“, erklärt Anna Felde. Innerhalb von 24 Stunden mussten Jung und Alt Haus und Hof verlassen. In Eisenbahn-Viehwaggons wurden sie in einer zweiwöchigen Fahrt nach Alteiski Krai Mamontova umgesiedelt.

Im sibirischen Arbeitslager

Während die Frauen und Kinder dort eine neue Heimat fanden, ging die Odyssee der arbeitsfähigen Männer weiter. Sie kamen in ostsibirische Arbeitslager. Andreas Felde war damals 17 Jahre alt. „Die meisten von uns mussten in Kohlegruben arbeiten, ich wurde Waldarbeiter“, sagt er. Nach fünf Jahren Arbeitslager hatte er Glück im Unglück. Er zog sich beim Bäumefällen einen komplizierten Armbruch zu und durfte zu seiner Familie und vor allem zu seiner Anna zurückkehren. 1949 heiraten die beiden, eine kirchliche Trauung verboten die Russen jedoch. Sieben Kinder vervollständigten das Familienglück, das allerdings durch den Tod eines Sohnes im Kindesalter getrübt wurde.

Als Anna und Andreas Felde hörten, dass es die Möglichkeit einer Ausreise nach Deutschland gab, Deutschstämmige in Sibirien diese aber nicht nutzen konnten, siedelten sie nach Kasachstan um. Dort lebten sie sechs Jahre. Am 15. August 1990 durften sie in die Bundesrepublik übersiedeln, weil eine Tochter bereits in Battenberg lebte.

Von Schutzengeln behütet

In Bad Emstal-Sand fanden Andreas und Anna Felde eine neue Heimat. 1996 bauten sie sich an der Straße An der Ems 3 ein Haus und holten nach und nach ihre anderen Kinder nach Deutschland. In der Antwort auf die Frage nach ihrem jetzt 65-jährigen gemeinsamen Eheglück sind sich die Jubilare einig: „Bei allen Höhen und Tiefen im Leben haben uns der liebe Gott und seine Schutzengel immer gut behütet. Das wichtigste jedoch war und sind für uns die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und vor allem Liebe.“

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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