Schwälmer Museumsgespräche: Liebliches aus Nordhessen

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Abend für Geist und Gaumen: Ingo Fulda, Günter Schwarz, Hans Prinz (von links) sowie Christine Wehoff und Jochen Faulhammer (von rechts) erzählten Petra Nagel ihre Geschichten.

Ziegenhain. Ob die Liebe zur Musik, zur Region, zum Backen oder zum Beruf – Geschichten hatten sie alle zu erzählen, die Gäste, die Journalistin Petra Nagel zu den achten Schwälmer Museumsgesprächen am Donnerstag auf das Podium eingeladen hatte.

In der Runde begrüßte sie Pfarrer Ingo Fulda, Bäckermeister Günter Schwarz, Schwalm-Experte Hans Prinz und das Musiker-Duo Christine Weghoff und Jochen Faulhammer. 100 Zuhörer amüsierten sich über die Episoden zum Thema „Die Liebe ist eine Himmelsmacht“.

Dass es einst in der Schwalm gar nicht so romantisch zuging, erklärte Hans Prinz: „Gut gefrühstückt – reicht den ganzen Tag. Gut geschlachtet, ein ganzes Jahr und gut geheiratet, ein ganzes Leben – das war hier das Motto.“ So genannte Freiersmänner – „häufig waren das Schäfer, die viel rum kamen“ – sorgten für das standesgemäße Kuppeln. Die ersten Standesämter habe es jedoch erst ab 1874 gegeben: „Vorher wurde nur kirchlich getraut.“

Der Schwälmer Brautstuhl sei nicht nur ein Zeichen von Reichtum gewesen, er habe der Braut auch Sitz und Stimme im neuen Haus geben sollen, erläuterte Prinz. Schwangeren Bräuten sei die Heirat in der Kirche lange verwehrt geblieben. Vom Heiraten heute erzählte Ingo Fulda. „Es wird weniger in der Kirche geheiratet“, sagte der Ziegenhainer Pfarrer. Die Kirche öffne sich: Er habe Paare auf dem Schönberg, im Loshäuser Schlosspark und auf der Clearwater-Ranch getraut. „Es muss nur ein triftiger Grund vorliegen, warum das Paar dort heiraten will.“

Mit Mundart dichter dran

Die Liebe zur Musik und zum nordhessischen Dialekt trug Bariton Jochen Faulhammer auf der Zunge. Vor fünf Jahren schrieb der aus dem Klassikfach kommende Gudensberger die ersten Lieder in Mundart. „Klassik ist oft so vergeistigt, in Mundart komme ich nahe ans normale Leben ran“, sagte er. Seine Duettpartnerin Christine Weghoff, gebürtig aus Lohne bei Oldenburg, hat vor 25 Jahren ihre Liebe zur nordhessischen Region entdeckt. Heute betreibt die Musikerin in Kassel ein Büro für Konzertpädagogik. „Die Nordhessen sind mittlerweile stolz, sich von den Südhessen zu unterscheiden“, ist ihre Erfahrung.

Den nordhessischen Charme präsentierten beide in wundervollen Liedern. „Mine Ahle“ erzählte nicht etwa von einer Frau, sondern von der von den Nordhessen so geliebten „Ahlen Wurscht“ – ehrlich, bodenständig und herrlich wortwitzig. Auch bei Bäckermeister Günter Schwarz aus Gudensberg geht ohne Liebe nichts: „Als ich meine Frau kennenlernte, habe ich ihr immer mal ein Puddingstückchen mitgebracht – das kam wohl gut an“, erzählt er. Auch im Betrieb – im Erlebnisbackhaus – merke man, wer mit Begeisterung Bäcker sei: „Ich sehe schon an der Glasur der Plunder, wie der Mitarbeiter drauf ist.“ Die Liebe zum Handwerk vermittelt Schwarz auch in Kursen. Oder bei Aktionen wie dem Brezel-Schling-Wettbewerb. Schlingen mussten die Gäste im Museum nicht: Sie genossen in der Pause einen süßen und einen deftigen Rotkäppchen-Snack aus Schwarzes Backstube.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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