Der Spangenberger Maler Horst Knobel feiert heute seinen 90. Geburtstag

Er liebt die bunte Palette

Spangenberg. Horst Knobel hatte in seinem Leben zwei große Lieben: Die eine ist seine Frau Leni, die andere die Malerei. Beide begleiten ihn von Jugend an, beide, sagt er, haben ihn ein Leben lang glücklich gemacht. Und dieses Leben ist lang: Der Spangenberger Maler und Künstler feiert heute seinen 90. Geburtstag.

Dabei hatte Horst Knobel schon ein Soldatenleben hinter sich, als er sich 1944 in Spangenberg in die 18-jährige Leni verliebte. Sie stammte aus Kassel, wie er, war ausgebombt, wie er. Aber sie war unverletzt, anders als er. Knobel hatte die Panzerschlacht von Kursk nur mit viel Glück überlebt: Eine Granate zerfetzte seinen linken Arm, riss ihm den linken Daumen ab. Eine Katastrophe für den gelernten Graphiker und Plakatmaler, der bis dahin den Pinsel mit links geführt hatte. „Ich musste lernen umzudenken – bald darauf habe ich mit rechts gemalt“, sagt Knobel.

Und immer wieder Leni

Und er hat einfach alles gemalt. Menschen, Landschaften, Blumen, Stillleben, historische Bilder, Kinder, Fischer, Schäfer, alles. Und vor allem immer wieder: Leni. „Habe ich dir dieses Bild zur Diamantenen oder Eisernen Hochzeit geschenkt?“, fragt er die 88-Jährige und zeigt auf ein Gemälde an der Wand. „Zur Diamantenen“, sagt sie und drückt seine Hand.

„Über ein Bild hat sie sich seltsamerweise immer mehr gefreut als über ein Kleid“, sagt Horst Knobel und drückt ihr einen Kuss auf die Wange. An Bildern herrschte im Hause Knobel nie Mangel. Nach der Währungsreform 1948 kaufte sich Horst Knobel, der bis dahin viele Zeichnungen und Aquarelle geschaffen hatte, seine ersten Ölfarben: „Da konnte ich viel Kraft hineinlegen“, sagt er. Diese Kraft war deutlich spürbar: Es hagelte Aufträge für den freischaffenden Künstler. Von Stadt, Land, Bund, Privatleuten und Unternehmen. Knobel entwarf monumentale Bilder für die Rathäuser in Melsungen und Spangenberg, schuf ein Triptychon für die Kapelle des Klosters Haydau. Er organisierte 70 Ausstellungen, unter anderem in Paris, Hamburg, Zürich.

Horst Knobel hat also über Jahrzehnte hinweg Farbe in die Welt gebracht und dabei auch immer wieder seine Heimatregion in Szene gesetzt. Und natürlich seine Kinder: Im Haus Knobel gibt es viele Gemälde von Monika, Michael und Sabine. Sie und die sechs Enkel und zwei Urenkel sind zum Geburtstag angereist. Hans Knobel hat seine Freude daran. Und an dem Leben, das er mit seiner Frau im „schönsten Altersheim der Welt“ führt, wie er sein Zuhause nennt.

Nächstes Jahr feiern sie die Gnadenhochzeit, sind 70 Jahre verheiratet. Das habe er im Oktober 1945 nicht gedacht, als er seine Leni heiratete. Der Berliner Maler Heinrich Zille (1858-1929) habe einmal über Künstlerehen gesagt: „Er war Maler und sie hatte auch nichts“. Wie bei uns, sagt Horst Knobel: „Damals stimmte es. Und heute haben wir so unendlich viel.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

Kommentare