Liedermacher Urbain N´Dakon gastierte in Grundschule und Nikloaikirche

Erlebnis Afrika: Der in Deutschland lebende afrikanische Sänger Urbain N´Dakon entführte die Grundschulkinder mit Geschichten und Liedern in seine Heimat. Foto:  Brandau

Gensungen. Für 40 Drittklässler der Heiligenbergschule gab es am Freitag ein ganz außergewöhnliches Musikerlebnis: ein Workshop mit dem afrikanischen Sänger und Liedermacher Urbain N´Dakon.

Am Samstagabend faszinierte er zahlreiche Besucher in der Felsberger Nikolaikirche.

Mit der afrikanischen Trommel, der Djembé, mit Blechrasseln und seiner leisen, aber durchdringenden Stimme übermittelte er den Zuhörern seine Botschaften vom schwarzen Kontinent. Geboren wurde er an der Elfenbeinküste. Er studierte Germanistik und unterrichtete als Deutschlehrer an einem Gymnasium in Afrika. In den neunziger Jahren promovierte er in Deutschland und ist seitdem mit Konzerten und Workshops unterwegs, um seine teils auf Deutsch und teils in seiner Muttersprache getexteten Lieder vorzustellen.

Afrika wird gegenwärtig, wenn die Trommel die Geschichten begleitet. Oftmals singt er in seiner Muttersprache N´Zema, die eigentliche Geschichte erzählt er auf Deutsch. Für die Kinder hatte er die einer jungen Mutter ausgewählt, die ihr Baby während der Feldarbeit im Schatten abgelegt hat. Das erste Lied untermalte diese Situation: „Me tudu me N´Dilé“ heißt: „Ich jäte das Unkraut“ und vermittelt den gleichbleibenden Bewegungsrhythmus dieser Arbeit. Der Riesenvogel Koffi Ako nimmt das weinende Kind mit in sein Nest und versucht, es mit einem Schlaflied zu beruhigen.

Unbekannte Laute

Die Kinder sangen das fremdartig anmutende Wiegenlied „Yé yé yé Anoma éh Koffi Ako“. Es dauerte ein wenig, bis sie die fremden Laute aussprechen, dazu trommeln und klatschen konnten, aber mit N´Dakons Hilfe und ein wenig Geduld verflog die anfängliche Scheu der Neun- und Zehnjährigen, die unbekannten Laute und Rhythmen anzunehmen. „Das klingt wie Zähneputzen!“, verglich eine Drittklässlerin das Geräusch der Blechrasseln.

„In Afrika ist die Verbindung zu Kunst unmittelbarer und spontaner“, sagte er später im Gespräch mit den Lehrern. Kinder wachsen mit dem Rhythmus der Trommeln auf, hören die Märchen und Geschichten, singen und tanzen ganz spontan dazu. Ein natürliches Körpergefühl kann sich schon früh entwickeln.

Sänger ist Tänzer und Poet

Es fiel auf, dass die Kinder im dritten Schuljahr durchaus nicht alle Richtungen unterscheiden konnten, sich sehr konzentrieren mussten, um Bewegung, Text und Rhythmus gleichzeitig auszuführen. „Vielleicht liegt es daran, dass Kunst und Leben in Europa so stark voneinander abgetrennte Bereiche sind“, mutmaßt der Künstler. In Afrika sei ein Sänger immer auch ein Tänzer und ein Poet, und dies alles sind Bestandteile des alltäglichen Lebens. (zbr)

Quelle: HNA

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