Lieferstopp für St.-Martin-Apotheke

Lieferstopp für Apotheke: Geschäftsführer glaubt an Strafaktion von Hephata

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Hephata verlängerte den Liefervertrag nicht: Erich Gerhold, Geschäftsführer der St.-Martin-Apotheke in Fritzlar glaubt an eine Strafaktion, Hephata dementiert das.

Fritzlar. Für die Bewohner der Hephata-Sozialpsychiatrie in Fritzlar war die St.-Martin-Apotheke jahrelang der Ansprechpartner, wenn es um Medikamente und Beratung ging. Jetzt wurde der Vertrag gekündigt und nicht wieder verlängert.

Erich Gerhold, Geschäftsführer der Apotheke, ist sich sicher, dass das mit seinem Einsatz für die von Hephata entlassene Mitarbeiterin Annemarie Fießler zusammenhängt.

Hephata: Andere Gründe

Hephata weist das entschieden von sich. „Das Engagement des Herrn Gerhold für Frau Fießler war nicht ausschlaggebend für die Entscheidung, den Vertrag zu kündigen“, heißt es in einer Antwort des Diakoniezentrums auf Fragen der HNA.

Der ehemalige Sozialrichter hatte sich früh auf die Seite Fießlers gestellt und unter anderem als Unterstützer Briefe an Hephata geschrieben. Bei der Belieferung durch seine Apotheke an die Sozialpsychiatrie habe es nie Beanstandungen gegeben.

Auch im Sinne der Inklusion sei die Zusammenarbeit hervorragend gelaufen, denn einige Bewohner hätten sich ihre Medikamente in der Apotheke abgeholt und so Kontakt in die Stadt gehabt. Der Vertrag sei gekündigt und neu ausgeschrieben worden. „Dies ist ein Verfahren, mit dem die Hephata-Diakonie die Qualitätsansprüche, die sie an sich selbst, Lieferanten und Partner stellt, gewährleistet“, heißt es aus Treysa.

In der Ausschreibung hätten neue Bedingungen gestanden, sagt Gerhold, unter anderem eine 24-Stunden-Bereitschaft für Medikamente. All das habe sein Betrieb garantieren können.

Laut Hephata hätten mehrere Bewerber die Anforderungen erfüllt. „Die Hephata-Diakonie hat sich dann für den Mitbewerber entschieden, dessen Angebot am passgenauesten war“, heißt es weiter. Was passgenau im Detail heißt, war nicht zu erfahren.

Es gehe ihm nicht um das Geld, sagt Gerhold, der wirtschaftliche Verlust sei nicht sehr groß. Er beklage vielmehr den Umgang Hephatas mit Menschen. In der Sache Fießler hat der Jurist eine klare Meinung. Gegen die ehemalige Leiterin der Sozialpsychiatrie liege nichts vor, was eine Kündigung rechtfertige.

Gerüchte von einer Intrige gegen Fießler machen die Runde. Hephata entgegnet: „Dieser Vorwurf ist absurd. Eine Kündigung auszusprechen, ist immer die letzte Möglichkeit, wenn andere Angebote und Maßnahmen nicht gegriffen haben.“

Kündigungsgründe sind laut Hephata „Spenden- und Arbeitszeitbetrug, um die Spaltung eines Mitarbeiter-Teams in zwei Lager sowie um die Instrumentalisierung von Klienten“. Hephata signalisierte erneut die Bereitschaft zur Mediation.

Verhör oder nur ein Gespräch?

Fritzlar/Nassenerfurth. Der Fall um die fristlose Kündigung von Annemarie Fießler, frühere Leiterin der Hephata-Sozialpsychiatrie, sorgt weiter für Unruhe. Jetzt erhebt eine ehemalige Raumpflegerin Vorwürfe.

Seit dem Weggang von Fießler seien die Bedingungen für die Bewohner schlechter geworden, sagt Edith Heide. Das habe sie auch dem Vorstand bereits im Dezember per Brief mitgeteilt. Es habe eine freundliche Antwort gegeben, geschehen sei jedoch nichts.

Das Diakoniezentrum in Treysa bestätigt, dass der Brief eingegangen sei und teilt mit: „Den Vorwürfen von Frau Heide ist sehr gewissenhaft und gründlich nachgegangen worden. Die [...] Vorwürfe haben sich als nicht richtig erwiesen.“

Edith Heide fühlte sich unter Druck gesetzt, weil sie für Fießler Partei ergriffen habe. Man habe versucht sie einzuschüchtern. Heide berichtet von Gesprächen, in denen es aus ihrer Sicht eigentlich um die Situation der Bewohner habe gehen sollen. Stattdessen habe man versucht herauszufinden, wer die Unterstützung für Fießler organisiere. Es habe sich wie ein Verhör angefühlt, sagt Heide.

„Diese Vorwürfe sind unzutreffend“, schreibt Hephata in einer Reaktion darauf.

Abschied vom Job

Ende April sei sie schließlich überraschend von der Arbeit freigestellt worden. Heide ist bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt, die für Hephata tätig ist. Die Zeitarbeitsfirma habe ihr andere Stellen bei Hephata angeboten, sagt die 44-Jährige aus Nassenerfurth. Sie habe das aber abgelehnt, und so wurde das Arbeitsverhältnis beendet.

Dazu teilt Hephata mit: „Wir diskutieren Personalentscheidungen nicht in der Öffentlichkeit, im Interesse aller Beteiligten.“

Edith Heide will sich für die frühere Leiterin weiter einsetzen. „Ich kämpfe mit Anne bis zum Ende“, sagt die Frau, die aus Kolumbien stammt, entschlossen. Bange sei ihr nicht: „Ich hatte in meinem Leben noch niemals Angst vor einem Menschen.“ (ode)

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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