Burek-Ausstellung im Museum – ein Rundgang mit dem Kunstkenner Johannes Prinz

Linien lenkten sein Werk

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Sonderausstellung: Johannes Prinz mit einer Arbeit des Künstlers und Grafikers Vincent Burek. Das Museum der Schwalm zeigt bis Jahresende etwa 40 Exponate aus eigenem Bestand.

Ziegenhain. Das Museum der Schwalm in Ziegenhain zeigt bis zum Jahresende 40 Arbeiten des Malers und Grafikers Vincent Burek: Alle Exponate sind Eigentum des Schwälmer Heimatbundes. Wir haben einen Rundgang mit dem Kunstkenner Johannes Prinz durch diese vielschichtige und spannende Bilderschau gemacht.

In besonderer Weise widmet sich die Auswahl Bureks ausdrucksstarken Linolschnitten. „Sie sind geprägt von der Suche nach der großen, reinen Form und den lebhaften Hell-Dunkel-Kontrasten“, erläutert Prinz, Direktor der Kreissparkasse Ziegenhain im Ruhestand.

Mit seinen Arbeiten knüpfe Burek als Vertreter einer wesentlich jüngeren Generation an Vorbilder an, die dem deutschen Expressionismus angehörten. Seine überlegen gehandhabte Technik des Linolschnitts kam ihm entgegen: „Ein fester tektonischer Bau und vereinfachte, symbolhaft wirkende Einzelformen bestimmen den Charakter seiner Blätter“, sagt Prinz.

Bureks Grabstein: Der Künstler selbst schuf die Vorlage.

Der Linolschnitt ist ein grafisches Hochdruckverfahren, das in seiner Technik dem Holzschnitt ähnelt. Für den Linolschnitt wird mit einem speziellen Werkzeug ein Negativmuster in das relativ feste Linoleum geschnitten, die fertige Druckplatte mit Farbe eingewalzt und dann auf Papier gedruckt. Druckend sind ausschließlich die erhabenen Stellen der Platte.

„Im Gegensatz zum Kupferstich und der Radierung eignet sich der Linolschnitt besonders für großflächige, gröbere Motive, die sich in klaren Flächen und glatten Umrissen darstellen lassen“, erklärt Johannes Prinz. Mit dem Linolschnitt könnten auch farbige Drucke hergestellt werden, die übereinander gedruckt werden. Dieser Technik bedienten sich auch Künstler wie Christian Rohlfs und Pablo Picasso.

In der Malerei ließ sich Burek oft von Linien lenken, die quasi als Gerüst seiner Arbeiten galten: Auch lockte den Grafiker die reine Fläche. „Er strebte nach Vereinfachung und seine Arbeiten haben oft einen ornamentalen Aufbau.“ Vincent Burek soll selbst einmal gesagt haben, dass ein Malerleben zu kurz sei, um Häuser mit Ziegeln, die man zählen könne, zu malen“, verdeutlicht der Kunstkenner Bureks Philosophie.

In seinen oft mit dem Kohlestift gestalteten Zeichnungen setzte sich Burek häufig mit dem menschlichen Antlitz auseinander. Vor allem zwischen 1955 und 1970 widmete sich Burek der Kunst am Bau. Seine Mosaike, Glasschliff-Fenster, Wandplastiken und Gipsschnitte sind beispielsweise im Kreiskrankenhaus Ziegenhain, der Kreisberufsschule oder im Schwalmgymnasium Treysa zu sehen.

Einige Arbeiten, darunter auch Aquarelle, entstanden auf seinen Studienreisen auf den Balkan, in die Türkei und nach Spanien. Der passionierte Bergsteiger Burek hielt sogar Hochgebirgstouren in den Alpen im Bild fest. Ab 1965 entstand die Linolschnittreihe „Grafik aus der Schwalm“, die derzeit nahezu komplett im Museum der Schwalm gezeigt wird.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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