Lkw-Text für mehr Verständnis: Große Diskussion bei Facebook

So viele Klicks wie nie zuvor: Bis Redaktionsschluss waren es schon über 60 000 Klicks auf dem Artikel mit der Werbeplane am Lkw der Spedition Stede aus Goddelsheim. Screenshot: Facebook 

Wolfhagen. Das Foto einer Rückfläche eines Lkw, auf der selbstironisch um mehr Verständnis für  Lkw-Fahrer geworben wird, hat auf der HNA-Facebook-Seite alle Reichweiten-Rekorde gebrochen.

„Guckt mal schnell“, begrüßte uns die Kollegin am Dienstagmorgen und zeigte ihr Smartphone. Darauf zu sehen: Ein Foto von einem Lkw, der auf dem Weg zur Arbeit vor ihr fuhr und auf seiner Rückfläche um Verständnis wirbt. „Nicht aufregen!“, steht oben und darunter folgt das Szenario, was passieren würde, wenn ab Montag keine Laster mehr fahren würden. „Ich stell das mal auf Facebook“, sagte die Redakteurin.

Als wir nach ein paar Stunden noch einmal im sozialen Netzwerk schauten, waren wir überrascht, wie große Wellen das Foto mittlerweile geschlagen hatte. Mit 143.109 erreichten Personen (Stand: Donnerstag, 10.50 Uhr) sahen diesen Post so viele Nutzer wie sonst noch nie. Über 500 Mal wurde er geteilt und fleißig kommentiert. Im Schnitt werden die Posts der HNA Wolfhagen bei Facebook nur um die 2500 Mal geklickt.

„Wir Lkw-Leute werden doch an jeder Ecke an den Pranger gestellt.“ 

Auf unseren Beitrag hin meldete sich Gordon Güde bei uns, weil er viel Verständnis für den Appell der Spedition hat. Er betreibt eine Lkw-Fahrschule und erlebt täglich Situationen, in denen er Verständnis der Autofahrer vermisst: „Regelmäßig werden wir in engen Kurven überholt, oder uns wird der Weg abgeschnitten“, erzählt der 38-Jährige, der die Fahrschule von seinem Schwiegervater übernommen hat. Die Berufsgruppe der Lkw-Fahrer sieht er zu Unrecht negativ dargestellt: „Das Klischee des heruntergekommenen Fahrers, der sich nicht an die Regeln hält, ist immer noch verbreitet. Allerdings missachten mindestens genauso viele Autofahrer die Regeln“, so seine Erfahrung.

Eine andere Perspektive 

Güde findet die Werbung für mehr Verständnis sinnvoll und empfiehlt jedem, einmal die Perspektive des Lkw-Fahrers einzunehmen. „Kaum einer kennt die Sicht der Lasterfahrer.“ Auch uns hat er angeboten, einmal bei einer Fahrstunde dabei zu sein. Das Angebot nehmen wir natürlich an. Unsere Eindrücke aus der Fahrerkabine lesen Sie in Kürze in der HNA.

Die Spedition Stede aus Lichtenfels-Goddelsheim (Landkreis Waldeck-Frankenberg), die diesen Lkw mit der Werbeaufschrift im Fuhrpark hat, freut sich über die große Resonanz. „Das Image der Lkw-Fahrer ist nicht so prall, dagegen würden wir gerne etwas tun“, sagt Geschäftsführer Stefan Brede. Es gehe darum, die Menschen zu sensibilisieren. Sie sollen sich Gedanken machen, woher die Ware kommt, die sie kaufen.

„Fahren nicht zum Spaß“ 

16 Laster gehören zur Stede-Spedition, die 52 Mitarbeiter beschäftigt. „Natürlich ist es für Anwohner unangenehm, wenn Lkw durch ihre Orte fahren. Die Autobahnanbindung hat aber die Politik versäumt. Wir fahren auch nicht zum Spaß“, sagt Brede. „Wir fahren Güter, die jeder zum täglichen Leben braucht: Conti-Reifen, Zubehör für Windenergie, Futter und Getreide und Baustoffe. Und trotzdem ist Ausbremsen und Schneiden der Lkw an der Tagesordnung“, sagt Brede. Die Werbeidee hat er vom Kasseler Speditionsunternehmen Erich Schmelz. Dessen Seniorchef Erich Schmelz aus Kassel sagt: „Wir Lkw-Leute werden doch an jeder Ecke an den Pranger gestellt und abgezockt. Ich wollte einfach mal was zum Nachdenken mit auf die Tour geben.“ Dass die Aktion bei Internetnutzern so gut ankommt, findet er gut. Zum Unternehmen gehören 300 Mitarbeiter und 110 Lkw.

Der Facebook-Post:

Das ist mal eine coole Werbung um Verständnis! Gesehen auf der Fahrt von Wolfhagen nach Kassel. (mow)

Posted by HNA Wolfhagen on Dienstag, 13. Oktober 2015

Quelle: HNA

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