Löwenhaus ist sein Projekt - 27-Jähriger renoviert altes Haus

Sein Traum wächst aus Trümmern: Christopher Gathen hat das alte Löwenhaus am Homberger Marktplatz gekauft. Jetzt wird renoviert. Foto:s Schäfer

Homberg. Die beiden Schaufenster des kleinen Ladenlokals sind mit transparenter Plastikfolie abgeklebt. Im diffusen Licht, das hindurch fällt, schwebt Baustaub. Es riecht nach frisch gesägtem Holz. Die alte Ladentür steht offen, von draußen hört man die Autos und Passanten auf dem Homberger Marktplatz.

„Manchmal steckt jemand den Kopf herein und erklärt mich für verrückt“, sagt Christopher Gathen.

Der selbstständige Zimmermann und Restaurator hat das alte Löwenhaus gekauft. Jetzt ist er dabei, es zu renovieren. „Die Leute verstehen nicht, das man in ein so altes Haus, sein Geld stecken will, noch dazu in Homberg“, sagt er. Aber Gathen ist das egal. Er hat eine Vision.

„Unten soll ein kleiner Laden rein“, erklärt der 27-jährige. Was genau, weiß er noch nicht. „Ein Bio-Laden vielleicht, mit einem kleinen Bistro“, sagt er. Einen Mieter hat er noch nicht gefunden. Im ersten und zweiten Stock will er zwei kleine Ferienwohnungen einrichten. Gemütliches Fachwerk mit Blick auf den Marktplatz. Die Zwischendecken, die unter die mächtigen Holzbalken geschraubt wurden, hat er schon herunter gerissen.

Die meisten Arbeiten erledigt er selbst. Der lange Winter kam ihm gelegen. Bis Ende März gab es nur wenige Aufträge für seinen Holzbaubetrieb. So blieb viel Zeit für das Haus in Homberg. Im Laden hat er neuen Estrich gelegt, gemeinsam mit einem Freund die Wände mit Lehm verputzt. „Die müssen jetzt nur noch trocknen und dann gekalkt werden.“ Vom Laden aus arbeitet er sich langsam nach oben vor.

Das 396 Jahre alte Haus hat im Laufe der Zeit viele Bewohner gehabt. Deren Geschmack lernt Gathen jetzt kennen. Sieben Schichten Farbe hat er von der alten Holztreppe gekratzt. Mindestens genauso viele Schichten Tapete kleben an den Wänden. „Es ist wie eine große Wundertüte“, sagt Gathen. Wenn er zum Beispiel die Holzvertäfelung abbaut, weiß er nicht, was ihn dahinter erwartet.

„Ich mag den Charme von diesen alten Fachwerkhäusern“, sagt er. Deshalb habe er das Haus gekauft. Gathen kommt ursprünglich aus Norddeutschland. Bei ihm daheim habe es nicht so viele Fachwerkhäuser gegeben, sagt er. Der Liebe wegen zog er nach Nordhessen. Mit seiner Freundin bewohnt er jetzt ein kleines Fachwerkhaus in Lendorf. Aber das reichte ihm nicht. Per Zufall sei er im Internet auf die Versteigerung aufmerksam geworden. „Genau danach habe ich gesucht: Ein schönes, altes Fachwerkhaus“, sagt er

Das Haus, das er bekommen hat, ist bislang nur alt. Schön soll es noch werden, daran arbeitet Gathen. Im Spätsommer ist die Fassade dran. „Das muss alles sandgestrahlt werden“, erklärt er. Dann kommt neuer Putz. Ob die Holzbalken wieder farbig angestrichen werden weiß er noch nicht. „Erstmal schauen, wie das natürliche Holz wirkt“, sagt der junge Zimmermann.

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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