Los ging es auf der Kleinbahnstrecke Kassel-Naumburg

Vor 75 Jahren wurde sie  in Dienst gestellt: Lokomotive 206 wird gefeiert

Dauerläufer auf der Kleinbahnbahnstrecke: Seit 1941 ist die Lok 206 zwischen Naumburg und Kassel im Einsatz. Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h. Unser Foto zeigt sie bei einem Stopp am Bahnhof in Hoof. Foto:  Archiv Schulte/Hessencourrier

Wenn Jens Karasek, Vorsitzender des Vereins Hessencourrier, von der Lok 206 spricht, merkt man, dass es zwischen ihm und der alten Dame aus Stahl eine besondere Verbindung gibt.

Karasek hat das 750 PS starke Zugpferd, dessen 75. Geburtstag an diesem Wochenende gefeiert wird, 1969 noch in Aktion erlebt.

In Begleitung seines Opas, erinnert sich der 51-Jährige, stand er damals vor der für ihn riesigen schnaufenden Maschine. Das Angebot, mal ins Führerhaus zu klettern, lehnte er aus Respekt vor dem schwarzen Ungetüm ab. Inzwischen fühlt er sich dort oben wie zuhause: Karasek ist seit Jahren Dampflokomotivführer des Hessencourriers.

Der Mann mit der schwarzen Schiebermütze kennt die 206 wie nur wenige andere, hat sie seit ihrem zweiten Leben begleitet. Das erste Leben der Lok begann 1941. Damals wurde die von Krauss-Maffei speziell für die Kleinbahnstrecke zwischen Naumburg und Kassel gebaute Lok in Dienst gestellt und fuhr - wie ihre Geschwister 201 bis 205 - treu auf der 33,4 Kilometer langen Strecke, zog unzählige Personenwagen und auch Güterwaggons.

Die Bremsklötze leiden 

Extreme Steigungen und Kurvenradien machen die Strecke so besonders. „Es ist eine Material mordende Strecke. Das geht enorm auf die Bremsklötze“, sagt Jens Karasek, „für die Lok ist das eine ganz besondere Herausforderung.“

Aber nicht etwa der Verschleiß an den Fahrzeugen brachte das Ende des Zugverkehrs auf der Kleinbahnstrecke. Die neue Mobilität durch Autos und die damit kürzeren Fahrzeiten läuteten das Sterbeglöckchen. 1925 dampften täglich sieben Züge von Naumburg nach Kassel und zurück mit Fahrzeiten zwischen 75 und 100 Minuten. Am 8. März 1970 war das alles Geschichte. Die letzte Lok wurde ausgemustert. Zur 800-Jahrfeier der Stadt Naumburg im August 1970 wurde die 206, die letzte Dampflok der Kleinbahn, als Denkmal auf einen Betonsockel vor dem Naumburger Bahnhof gesetzt. In knapp 30 Jahren hatte sie rund 900 000 Kilometer zwischen Naumburg und Kassel zurückgelegt.

Die Lok 206 im Schuppen des Hessencourriers in Wilhelmshöhe: (von links) Jens Karasek (Vorsitzender, Lokführer und Eisenbahnbetriebsleiter für den Hessencourrier und die Kleinbahnstrecke zwischen Naumburg und Kassel), Alex Voss (Service), Anna Becker (Heizeranwärterin) und Uwe Bernhardt (Heizeranwärter) wollen sie bis zur Geburtstagsfeier am Wochenende noch gründlich putzen. Foto:  Norbert Müller

Der Ruhestand dauerte gut zwölf Jahre, dann erweckte der Hessencourrier das Schmuckstück wieder zum Leben - zu ihrem zweiten. In Kassel machten die Experten des Vereins die Lok wieder flott: Drei Jahre Arbeit, 16 000 Arbeitsstunden und rund 153 000 Mark investierten die Eisenbahnfreunde. Im Spätsommer 1985 ging die Lok wieder auf die Strecke, für die sie einst gebaut worden war. Jens Karasek hat die Restaurierung mitgemacht, später die Lokführerprüfung auf der 206 bestanden. „Ich habe eine besondere Beziehung zu ihr“, sagt der Maschinenbau-Ingenieur.

Am kommenden Wochenende soll der runde Geburtstag gebührend gefeiert werden. Die treue 206 habe das ohne Zweifel verdient.

Geburtstag mit Musik und Fahrten 

Die Feiern zum 75. Geburtstag der Lok 206 beginnen am Freitag, 27. Mai, direkt am Bahnhof des Hessencourriers im Kasseler Technologiepark Marbachshöhe, Johanna-Waescher-Straße. Ab 20.30 Uhr wird Dark Vatter mit seiner Band auf der Bühne stehen. Dabei wird er auch seinen Song „Hessencourrier“ spielen. Die Jubilarin wird am Morgen angeheizt, um „instrumental“ mit zu musizieren. Einlass: 19 Uhr. Eintritt: 15 Euro.

Am Samstag, 28. Mai, steht dann eine Eventfahrt nach Naumburg mit dem Schreckschuss-Showtheater auf dem Programm. Die Fahrt ist bereits restlos ausverkauft. Im Haus des Gastes in Naumburg wird es von 15 bis 18 Uhr eine musikalische Show geben unter dem Motto „Das Beste von Schreckschuss aus 20 Jahren“. Karten gibt es direkt im Haus des Gastes zum Preis von zehn Euro.

Am Sonntag, 29. Mai, steht dann eine Fahrt mit dem von der Lok 206 gezogenen Zug auf dem Programm: Abfahrt in Kassel: 12.10 Uhr, Rückfahrt ab Naumburg 16 Uhr.

Kartenvorverkauf in Kassel: First Reisebüro, Treppenstraße; Baunatal: NVV-Kundenzentrum.

www.hessencourrier.de

Quelle: HNA

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