Reformationsfrauentreffen: 500 Besucher erinnerten an den Wandel in der evangelischen Kirche

Luther gab Gläubigen Stimme zurück

Zuhören, singen und plaudern: Das Team um Gloria Dück (rechtes Bild, vierte von links) gestaltet das Treffen. Mit dabei waren auch rechts Anna Katharina Süßmann (88) und Anna Katharina Blumenauer (79), zwei Schwälmerinnen in Tracht. Foto: Rose

Schwarzenborn. Frauen der Reformation ergreifen Wort und Feder: Unter diesem Motto hatte der Kirchenkreis Ziegenhain am Mittwoch und Donnerstag in die Kulturhalle nach Schwarzenborn geladen.

500 Frauen kamen dort zum Reformationsfrauentreffen zusammen, um gemeinsam an den Wandel in der evangelischen Kirche zu erinnern. Vorbereitet worden war das Treffen von der Beauftragten für Frauenarbeit im Sprengel Hersfeld Gloria Dück und Pfarrerin Karin Schwalm sowie vielen Ehrenamtlichen. Für stimmungsvolle Musik sorgten die Bläser unter der Leitung von Bezirkskantor Fritz Falk-Rolke.

„Die Reformation war ein kollektives Ereignis, in dem sich auch Frauen berufen fühlten, ihre Glaubensüberzeugung selbstverantwortlich zu vertreten“, erläuterte Dück. Sieben dieser Frauen stellten sich den Gästen in kurzen Schauspielszenen vor. Als wohl bekannteste Frau der Reformation gilt Katharina von Bora – eine ehemalige Nonne und spätere Frau von Martin Luther – in dessen Rolle Karin Schwalm schlüpfte. An ihrem Tisch im Schwarzen Kloster nahmen weitere sechs Frauen der Reformation Platz: Die treue Magd Lehne – in Person von Ursel Kister – stand ihr dabei zur Seite. Elfriede Keim mimte Fürstin Elisabeth von Calenberg-Göttingen, die als Regentin die Reformation einführte und damit den Grundstein für die heute zahlenmäßig größte Landeskirche in Deutschland legte.

Unerschrockene Predigerin

Als Lieddichterin der evangelischen Kirche ging Elisabeth Cruzinger, dargestellt von Eva Lux, in die Geschichtsbücher ein. Als erste Frau griff Argula von Grumbach – gespielt von Helga Flesner – die Feder, um einen Sendbrief an die Gelehrten der Universität Ingolstadt zu schreiben. Als erste Pfarrfrau und unerschrockene Predigerin stellte sich Katharina von Zell aus Straßburg (Edda Broschek) vor. Das Rollenbild der evangelischen Pfarrfrau prägte auch Monika Stein als Wibranis Rosenblatt. In ihrem Haus rangen große Reformatoren um die Wahrheit. Die Liebe zur Literatur, zur Welt der Antike und zu alten Sprachen bestimmte das Leben von Olympia Fulvia Morata alias Marie Surhoff. Früh kam sie in Italien mit Luthers Schriften in Berührung und verließ aus Glaubensgründen ihre Heimat, um nach Deutschland zu fliehen.

Doch nicht nur Worte, auch Musik prägte die evangelische Frömmigkeit: Für Luther hatte das Kirchenlied einen festen liturgischen Platz im Gottesdienst. Er gab damit der Gemeinde ihre Stimme zurück, nachdem über viele Jahrhunderte nur der Klerus singen durfte. Die Deutsche Messe von Franz Schubert greift dieses Thema auf: Die Frauenchöre Mengsberg, Wiera und Sachsenhausen boten eindrucksvolle Auszüge aus diesem Werk dar.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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