Reisegruppe wohl mehr als 40 Menschen stark

Luther kam mit 36 PS nach Spieskappel

Am Abthaus: Klaus-Dieter Paethke, der Kirchenführungen organisiert, und Pfarrer Marco Firnges.

Frielendorf. Martin Luther reiste zwei Mal durch Hessen: Zum Reichstag nach Worms und zum Religionsgespräch nach Marburg.

In Worms traf er den Kaiser, in Marburg das einzige Mal den Reformator Zwingli. Auf dem Weg nach Marburg von Waldkappel über Spangenberg und Homberg aus kommend übernachtete er auch im Kloster Spieskappel. Das ist durch eine Rechnung belegt

Man könnte sagen, Martin Luther kam mit 36 PS nach Spieskappel. Denn aus der Klosterrechnung, die im Staatsarchiv Marburg aufbewahrt wird, geht hervor, dass bei dem Stopp in Spieskappel 36 Pferde versorgt werden mussten. Historiker gehen deshalb davon aus, dass die Reisegruppe aus mehr als 40 Personen bestand.

Drei Übernachtungen: Luthers Reiseroute führte durch Hessen.

Warum Luther mit einem derart beachtlichen Tross reisen musste, sei nicht ganz klar, meinen der Spieskappeler Pfarrer Marco Firnges und Klaus-Dieter Paethke, der regelmäßig Kirchenführungen anbietet. Es könnte durchaus sein, dass mit Blick auf seine Ächtung auf diese Weise für seine Sicherheit gesorgt wurde, meint Paethke. Im Kloster gab es für Luther und seine Begleiter ausreichend Platz, erzählt Firnges, da das Kloster im Zuge der Reformation weitgehend aufgehoben worden war. Zum Zeitpunkt des Besuchs verweilten lediglich noch der letzte Abt Johannes Werner und einige Mönche dort.

Bedeutendes Gotteshaus

Als Übernachtungsort bot sich das Kloster nicht nur durch seine geschichtliche Bedeutung an. Bereits im 13. Jahrhundert war die Stiftskirche des Prämonstratenserordens eines der fünf bedeutendsten romanischen Gotteshäuser im hessischen Bereich, berichtet Firnges. Auch gab es vermutlich schon in karolingischer Zeit ein Reichsgut - und der Ort lag strategisch günstig an der damals wichtigen Handelsstraße der Langen Hessen. Dort befindet sich - fast in Sichtweite des Klosters - der Spieß. An dem mittelalterlichen Wachturm, der die Grenze zwischen Nieder- und Oberhessen markiert, wurden zahlreiche Landtage abgehalten. In der Reformationszeit gab Landgraf Philipp dort sein Erbe bekannt.

In Spieskappel ranken einige Legenden um den Lutherbesuch, die nicht belegt sind. So soll Luther angeblich seine Rechnung nicht bezahlt haben. Auch nicht wahr ist, dass Martin Luther ob seines bekanntlich gesegneten Appetits durch übermäßiges Essen zum endgültigen Niedergang des Klosters beigetragen hat.

Auf eine Randnotiz weist Firnges hin: Die Botschafterin des Reformationsjubiläums 2017 der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hatte von 1985 bis 1992 gemeinsam mit ihrem Ehemann ihre erste Pfarrstelle just in Spieskappel inne.

Quelle: HNA

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