Lyrisch in das neue Jahr beim Kästnerabend in der Hospizzkapelle

Ein inspiriertes Trio: Von links Stefan Reitz, Sängerin Karina Naumann und Lutz Stepputtis überzeugten in der Hospitalskapelle Treysa. Fotos:  Decker

„Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.“ Mit diesen Zeilen endet das Gedicht über den Januar im Gedichtzyklus „Die 13 Monate“ von Erich Kästner.

Organisiert von der Musikinitiative Hospitalkonzert entführten Stefan Reitz (Klavier), Karina Neumann (Gesang) und Lutz Stepputtis (Sprecher) am Samstagabend das Publikum in die Gefühls- und Gedankenwelt des berühmten Schriftstellers, der nicht nur als Kinderbuchautor, sondern auch als Intellektueller und Lyriker weltberühmt ist.

Stefan Reitz hatte für das Neujahrskonzert die eher unbekannte Vertonung des Jazzkomponisten Manfred Schmitz gewählt. Die drei Künstler inszenierten die einzelnen Strophen abwechslungsreich und spannend. Dem Lauf des Jahres mit seinen Höhepunkten wie dem Karneval im Februar, dem wiedererwachenden Vogelgesang und der prachtvollen Blüte im Mai, dem Erntedank im September und der traurigen Zeit im November hauchte Lutz Stepputtis mit kräftiger Stimme - je nach Stimmung des Textes laut oder leise - Leben ein.

Zu Recht hatte Stefan Reitz zu Beginn des Abends gesagt, diese Gedichte forderten zur Vertonung heraus. Karina Neumann unterstrich mit ihrem Gesang vor allem die verschiedenen Emotionen, die Kästner den einzelnen Monaten zugeschrieben hatte. So war ihre Stimme weich oder hart, tragisch oder gerührt und dabei doch auch immer mit einem für Kästner typischen ironischen Augenzwinkern versehen.

Stefan Reitz unterstützte die Sängerin mit seinem souveränen Klavierspiel. Die jazzige Komposition, die im Februar an Mackie Messer von Brecht erinnerte, im März das erste Erblühen der Schneeglöckchen vor Augen führte oder im September mit lauten Tönen die Posaunen hören ließ, begeisterten das Publikum.

Nach gut einer Stunde bedankten sich die Zuhörer mit stehendem Applaus bei den Künstlern für das lyrische Neujahrskonzert.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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