„Mach mit“: Möglichkeit für Menschen mit geringem Einkommen zur Teilhabe

Düsen regelmäßig zu „Mach mit!“: Anneliese Jans und Hundedame Susi. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Wenn sie nachmittags mit ihrem E-Mobil die Kurfürstenstraße hinaufdüst, dann hat Anneliese Jans nur ein Ziel: den Treffpunkt „Mach mit!" in den Räumen der Wolfhager Tafel. Auch Hundedame Susi, die sich im Lenkradkörbchen den Wind um die Nase pfeifen lässt, scheint zu wissen, dass ein geselliger Nachmittag auf sie wartet. Ein Leckerchen hier, eine Schmuseeinheit da - ohne Susi und ihr Frauchen geht beim Angebot der Diakonie Wolfhagen-Hofgeismar nichts mehr.

„Wir sind immer voll da, jede Woche aufs Neue“, schwärmt Jans. „Ansonsten bin ich ja immer nur zuhause, ständig allein, und zum Verblöden fühle ich mich einfach noch zu jung.“ Die 72-Jährige hat keine Angehörigen mehr, zumindest nicht in unmittelbarer Umgebung, und das lässt für sie das tägliche Leben schon dann und wann mal trist aussehen. „Ich fühle mich hier wohl, habe Unterhaltung und Beschäftigung“, sagt sie und freut sich, in der „Mach mit!“-Gemeinschaft aufgenommen worden zu sein.

Genau um das Gefühl von Gemeinschaft geht es im Projekt, das die Diakonie vor rund zweieinhalb Jahren gemeinsam mit der evangelischen Kirche ins Leben gerufen hat. „Die Menschen sollen sich bei uns Stück für Stück intensiver kennenlernen und Dinge entdecken, die ihnen Spaß machen“, sagt Projektleiterin Stefanie Böhm. „Ich würde fast sagen, es ist eine Art Familienersatz“, sagt Anneliese Jans und schwärmt von gemeinsamen Unternehmungen, den kürzlichen Ausflug in den Tierpark Sababurg zum Beispiel, oder die bevorstehende Fahrt nach Kassel zu Ikea. „Allein könnte und wollte ich das nicht, mit meinen neu gefundenen Freunden aber wird all das zum Erlebnis.“

Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter machen die Termine möglich, junge Familien und überwiegend ältere Damen nutzen die Angebote. „Nur ein paar ältere Herren fehlen noch, die haben Angst vor uns“, sagt Jans lachend.

Jeder, der sich angesprochen fühlt, wer allein ist und sich einsam fühlt, ist laut Böhm willkommen. „Die sozialidyllische Vorstellung, Armut und soziale Benachteiligung spiele in ländlichen Regionen wie denen in Kurhessen-Waldeck keine Rolle, entspricht nicht der Realität“, so die gelernte Erzieherin. Die fehlende Teilhabe von ärmeren Menschen am sozialen, politischen und kulturellen Leben setze sich in den Kirchen vor Ort fort, wobei Armut nicht nur materielle Armut bedeute, sondern darüber hinaus auch das Abgeschnittensein von vielerlei Lebensbezügen. Dem solle mit „Mach mit“ entgegengewirkt werden. „Bei uns darf jeder exakt so sein, wie er ist, das ist etwas sehr Wertvolles“, sagt die 43-Jährige. Das wissen auch Anneliese Jans und Hundedame Susi, und sehen vielleicht deshalb so glücklich aus, wenn sie mit ihrem E-Mobil durch die Kurfürstenstraße flitzen.

Hintergrund:

Anliegen des Projekts „Mach mit!" ist, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit haben, sich aktiv zu beteiligen, mit zu gestalten und eigene Kompetenzen (wieder-) zu entdecken. Angebot und Aktivitäten werden dadurch bestimmt, welche Ideen, Interessen und Stärken die Einzelnen mitbringen. Wer das Projekt besuchen, unterstützen oder mitarbeiten möchte, wendet sich an Stefanie Böhm unter Tel. 0 56 92/99 28 92 oder an machmit.wolfhagen@akkw.de - www.dw-hog.de

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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