Den Mitarbeitern der Zuckerfabrik über die Schulter geschaut: Wie kommt die Süße aus dem Gemüse

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Wie ist es um die Qualität bestellt: Heinrich Hesse zeigt HNA-Volontärin Claudia Schittelkopp den Kopfanteil, den oberen Teil der Rübe, der nicht für die Zuckerproduktion verwendet wird.

Wabern. Ich habe eine Hacke in der Hand, der erste Schlag geht ins Leere. Der zweite sitzt. Ich habe den Körper voll erwischt: Die Rübe steckt auf der Hacke.

Zehn Rüben piekse ich auf, dabei zerhacke ich einige. Rübenstücke springen mir ins Gesicht. Der Arm beginnt schwach zu werden, die Rüben sind schwer.

Hat die Rübe es auf das Gelände der Zuckerfabrik in Wabern geschafft, muss sie zunächst an Karsten Kopp vorbei. Er entnimmt 20 Kilogramm für eine Qualitätsprobe.

Noch im Morgengrauen beginnt die Schicht von Heidi Fiedler, an ihr kommt keiner ungesehen vorbei. Sie sitzt im Häuschen an der Werkseinfahrt. Vier Monitore hat Heidi Fiedler im Blick. Die dunkelhaarige Frau wiegt die ganz Dicken, sie nimmt die Gewichte der Rübenlieferungen und segnet die Zuckerlieferungen ab, die nach draußen gehen.

Video: Die Verarbeitung der Zuckerrübe

„Der kann wieder kein Deutsch“, sagt Fiedler und springt auf. Ein Brummifahrer tippt verzweifelt an dem Automaten herum, an dem er seine Wagen- und Lieferungsnummer eingeben soll. Fiedler hilft ihm. „Die Lieferungen gehen derzeit auch nach Antwerpen und werden von dort verschifft“, sagt sie.

Ein Traktor tuckert in die Einfahrt, ein Transponder liest die Lieferdaten aus: welcher Bauer, welche Lieferung.

Karsten Kopp wuchtet den Eimer mit den Rübenproben auf ein Band. Sie werden gewaschen und zerkleinert. Der süße Brei landet bei Elvira Kronefeld, er sieht aus wie Leberwurst. Sie füllt ihn in kleine Becher, die Proben werden im Schwesterwerk in Warburg auf ihren Zuckergehalt untersucht. Auf dem Hof müssen die Rüben abgeladen werden.

Ich setze mich auf den Stuhl von Heinrich Hesse, lege die Hand an den Kontrollhebel. Wasser schießt aus der Düse, so spritze ich laienhaft die Rüben vom Anhänger. Der Fahrer hat wohl auch seine Dusche abbekommen.

Danach drückt Hesse mir eine Mistgabel in die Hand, wieder befördere ich Rüben in einen Eimer. Diesmal wird der Anteil von Erde, Steinen und dem Rübenkopf untersucht. Hesse wiegt den Eimer: 29,6 Kilogramm. Danach werden die Rüben gewaschen und geköpft. Wie durch Butter gleitet die machetenartige Klinge durch die Rübe. Zweites Wiegen: 27,9 Kilogramm. „Das ist ein gutes Ergebnis“, sagt Hesse, „800 Gramm Rübenköpfe, und der Rest ist Erde.“

Zehn Minuten dauert die Rübenwäsche mit Kalkwasser und mit warmem Wasser. Dann geht es per Fließband in die Fabrik.

Fotostrecke: Ein Tag in der Zuckerfabrik

Ein Tag in der Zuckerfabrik

120 Meter steige ich nach oben. Die Knollen purzeln in einen Auffangbehälter und werden zu Schnitzeln zerhackt. Alle 30 Stunden müssen die Messer ausgewechselt werden.

Im Herzstück der Zuckerfabrik werden die Rübenschnitzel gekocht, der Rübensaft verdickt und geschleudert. Es verschlägt mir den Atem: Die Luft ist warm, der Geruch intensiv. Es riecht nach Erde, nach Rüben, nach gekochtem Gemüse.

Die Kontrollstation ist das Gehirn des Werkes. In drei Schichten überwachen die Mitarbeiter alle Abläufe der Fabrik, jeder an mehreren Bildschirmen.

Ist der Zucker fertig, landet er bei Marlies Jäger auf dem Tisch. Die Laborantin untersucht den Zucker und seine Nebenprodukte auf Reinheit und Qualität.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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